Zusammen mit Michael Haberland – Glasbläser aus Lauscha – sprechen wir über die Glasbläserstadt Lauscha, die Geschichte des Christbaumschmucks und warum Lauscha eine lange Glashistorie hat. Michael gibt uns dabei eige Einblicke in seine persönliche Geschichte und die Glasbläserbranche.
Transkript
Willkommen bei GlasKlar, Episode 4. Heute zu Gast: Michael Haberland aus Lauscha, Glasbläser in vierter Generation. Es geht um einen Fund im Schuppen, Lauschaer Glasvögel und die Frage, wie kommt man vom Kunstglas zum Christbaumschmuck. Viel Spaß! Hallo und herzlich willkommen!
Dennis:
Hallo und herzlich willkommen zu glasklar. Wir haben Folge 4. Wir haben heute zu Gast den Michael Haberland aus Lauscha. Michael, schön, dass du da bist.
Michael:
Danke, freue mich. Danke für die Einladung.
Dennis:
Ja, wir haben dich eingeladen, weil du schon sehr lange im Christbaumkugelgeschäft unterwegs bist. Wir arbeiten schon recht lange jetzt zusammen und du machst vieles von unserem Christbaumschmuck. Erzähl doch mal ein bisschen von dir. Wie bist du zum Christbaumschmuck gekommen?
Michael:
Ich bin zum Christbaumschmuck gekommen, klar, über Lauschau. Ich wohne in Lauschau, bin in Lauschau groß geworden und habe eigentlich keinen Christbaumschmuck gelernt, sondern Kunstglasbläser zu DDR-Zeiten. Und ja, irgendwann kam die Wende. Ich habe meinen Beruf als Kunstglasbläser auch sehr geliebt, habe das nie bereut, aber nach der Wende, kurz nach der Wende, so wie in vielen anderen Branchen auch, gingen die Sachen, die ich bis dahin gemacht habe, überhaupt nicht mehr auf dem kapitalistischen Markt, muss man ja sagen. Das waren massiv Glastiere und Hohlgläser, also Vasen, Schwenger und solche Sachen, die man sich, ich sage immer gerne, in die DDR-Schrankwand gestellt hat, wenn man sie bekommen hat. Aber nach der Wende ging das schlagartig nicht mehr und ich wollte, ich sage mal, ums Verrecken Glasbläser bleiben und meine Mutter hat gesagt, dass es so war, dass mein Opa und Uropa Christbaumschmuckbläser waren und die haben hantiert, gearbeitet mit Formen, mit Glasglasformen, Weihnachtsmänner, Schneemänner, Vögel, die man sich an den Baum klempste. Und ja, in der Wendezeit hat sie dann gesagt, jetzt aufhören oder hin und denk Glasbläser bleiben möchtest. Wir
schauen mal im Schuppen hinter dem Wohnhaus nach. Vielleicht finden wir da eine alte Kiste, wo noch die alten Formen drin sind. Und da standen die wahrscheinlich so 50, 60 Jahre rum. Wir haben sie gesucht und gefunden und dann habe ich mich reingestürzt und probiert eben, Formen zu blasen.
Taleka:
War es für dich schwer vom Glaskunstbereich umzuschwenken in den Christbaumschmuck, weil du ja viel damit Hohlglas in Form arbeitest?
Michael:
Aus heutiger Sicht relativ. Es war relativ leicht, weil die Kunstbläsersachen längere Zeit ja, man arbeitet länger dran. Es sind schon, weiß Gott, kniffligere. Ganz allgemein würde ich sagen ganz kniffligere Glasarbeiten und vor allem mit Massivglas zu arbeiten. Das heißt, wenn man dann so ein massives Glastier hinbekommt, dann heißt das noch lange nicht, dass es dann auch überleben wird, wenn es abgekühlt ist. Glas ist auch immer spannungsbehaftet und aber der Umstieg? Ich will mal so sagen ich hatte die Form gefunden. Ich habe reingeguckt wie. Tja, ich weiß nicht wie und was, aber meine Mutter wusste noch die Arbeitsschritte von meinem. Von ihrem Vater sozusagen. Und hat gesagt Pass auf, du brauchst jetzt eine Formzange, da wird das eingespannt. Dann müssen wir sehen, wo man Glaskolben herbekommen und dann. Also ich kann es dir nicht zeigen, wie das aufgeblasen wird. Dann lassen wir mal den oder alten hier alten Glasbläser, den frage ich mal, der kam, der könnte vielleicht mal kommen und der kam dann auch. Ich glaube, es war eine halbe Stunde Crashkurs und der hat mir erstmal gezeigt, so gehen die Vögelchen. So, eine probieren wir mich mal und dann geht es los. Und dann. Ja, so ungefähr war das
Taleka:
Also eigentlich auch der Sprung ins kalte Wasser, so, ja, ich mache das jetzt mal.
Dennis:
Und das machst du mittlerweile ja auch super gut. Also wir sind jedenfalls mit deiner Arbeit jedes Mal super zufrieden. Wir freuen uns jedes Mal, wenn wir dein Paket aufmachen und die Vögelchen sehen. Du hast gerade erwähnt, dein Urgroßvater und Großvater waren bereits Glasbläser. Wie war das für dich, in diese Tradition reinzuwachsen? Gab es für dich auch mal die Perspektive, was anderes zu machen? Oder war das für dich eigentlich von klein auf klar, dass du auch Glasbläser wirst?
Michael:
Also mir wurde erst später klar, wie ich schon sagte, dass meine beiden Vorfahren in der Branche auch schon unterwegs war. Bei mir war es speziell so Ich muss vier Jahre alt gewesen sein und habe in einem Betrieb, in dem meine Mutter in einem Glasbetrieb in Lauscha und dem meine Mutter war als Bürokraft einen Schreibtisch gesehen, von
ihrem Chef. Und da stand ein durchsichtiges Glastier drauf, etwas bräunlich. Und dann habe ich später meine Mutter gefragt: Was ist denn das? Das ist ja total verrückt. Ja, das wäre ein Glaselefant. Ich habe gesagt Wieso gibt es den Glaselefanten? Da hat sie gesagt, in dieser Firma wird das gemacht. Und wenn du es mal sehen möchtest, dann hat mir das meine Mutter dann in der Firma gezeigt. Ja, wie gesagt, ich war vier oder fünf, aber seit dem Glaselefanten wusste ich, dass ich. Also so was möchte ich machen. Ja.
Dennis:
Und dann haben wir uns ja mehr oder weniger kennengelernt über Taleka. Die sitzt ja hier auch noch mit am Tisch heute.
Takeka:
Jein. Also eigentlich ist der Kontakt entstanden, weil unser Nachbar Lukas dich in den Biergarten entführt hat. Wo Lukas und deine Tochter Clarissa, die sind ja Arbeitskollegen gewesen. Und da habt ihr beide euch unterhalten. Und da meinte Clarissa Ja, du, geh mal! Ruf mal meinen Papa an! Der mag Leute, die im Biergarten sitzen und Geschäfte machen. Und dann habt ihr angerufen und dann hahaha.
Dennis:
Und dann hat irgendwie dein Telefon geklingelt. Erzähl doch mal.
Michael:
Meine Tochter Clarissa hat irgendwie ’n Gespräch zwischen dir und jemand anders, die hat nur ’n paar Wörter aufgeschnappt. Ich bin neu hier, ich will ’n Glasgeschäft machen und das reichte meiner Tochter. Und dann hat sie dir gesagt, also pass mal auf, wenn Du wirklich lauschauer Glas möchtest, kenn ich da einen, das ist mein Vater. So, dann hat mich meine Tochter darüber telefonisch informiert, die er hier in Coburg arbeitet lebt. Und dann hab ich gewartet bis zur Anruf, das hast du dann gemacht.
Dennis:
Was ging dir durch den Kopf, als Du mich am Telefon hattest?
Michael:
Was was ging mir durch den Kopf? Du hast Du hast erst mal jünger geklungen wie ich. Hast mir, glaub ich, gesagt, dass du gar nicht aus der Gegend bist, Berlin oder was? So, noch hab ich nix gegen Berlin, überhaupt nix. Aber aus meiner Erfahrung wirklich rein geschäftlich in Berlin ist nicht so, da da geht Christbaumschmuck nicht so. Ich weiß nicht, aus welchen Gründen, aber ja, du hast mir gesagt, Du bist da als Berliner, hab ich gedacht, okay. Vielleicht hab ich auch gedacht, Berlin kriegt jetzt noch eine Chance und komm ruhig her, was soll’s. Chemie hat aber gleich gepasst.
Dann hast du ja gesagt, hier fühlst du dich pudelwohl, ziehst dir her mit der Familie, willst auch noch Glas und Lauscherglas, warum warum soll man da die Tür von der Nase zuschlagen, ne? Ja.
Dennis:
Ja war ’n ganz lustiger Abend im Joseas Garten hier in in Coburg.
Mein Nachbar Lukas, der hat uns mitgeschleppt und ich war an dem Abend eigentlich relativ platt schon so vom Arbeitstag
Michael:
Entschuldigung, meine Clarissa kannte diesen Lukas oder was?
Taleka:
Ja, die waren Arbeitskollegen.
Dennis:
Die sind Arbeitskollegen wiederum.
Taleka: Genau.
Dennis:
Und der Lukas meinte zu mir, er geht mit Kollegen noch ’n Bier trinken im Josias Garten und Fußball läuft und ob ich mich nicht anschließen will. Und ich war schon kurz davor, nein zu sagen und hab mich an dem Abend dann noch breitschlagen lassen. Und bin dann noch mit auf ’n Bierchen und dann saß mir an auf der Bierbank deine Tochter gegenüber. Und dann, wie das halt so ist, man kommt dann ins ins Reden. Und ja, was machst Du denn? Ja, was machst Du denn? Und dann haben wir uns ’n bisschen unterhalten und dann hat sie erzählt, nachdem ich erzählt hab, dass ich ein
Christbaumkugelgeschäft hier in Coburg aufmachen möchte, dass ihr Papa ja Glasbläser ist und in Lauscha wohnt und daraufhin dann den Kontakt hergestellt hat
Michael: Prima, also
Dennis:
Klein ist die Welt und manchmal ist ein Besuch in Biergarten Empfehlenswert.
Michael:
Also wie bei Gebrüder Blattschuss, wer sich noch daran erinnert. Ich sag ja Wirtschaftspolitik, drum sitz ich hier, doppeldeutig.
Taleka:
Das ist sehr schön, dass ihr euch da so einig seid.
Ja, auf jeden Fall. Ja. Warum ist der Glasvogel eigentlich so in deiner Familie? Also es ist ja mit eins der Hauptfiguren, was ihr verkauft, oder? Wie kommt’s dazu, grade Vögelchen?
Michael:
Ja, das war das Ding von meinen Vorfahren, als ich damals einundneunzig, wie gesagt, diese Kiste geformt gefunden hab, Ich glaub, das waren so an die zweihundert oder zweihundertfünfzig verschiedene Formen. Die meisten davon waren Vogelform. Dann hab ich schon mal meine Mutter gefragt und das war wohl das Hauptding, das sie gemacht haben und das war auch so, aber es waren auch Schneemänner, Weihnachtsmänner, andere Sachen mit dabei.
Ja, und dann werd ich auch oft gefragt, warum eigentlich Vogel? Was hat der Vogel an dem Baum verloren? Also meines Wissens ist es einfach so, dass die meisten Leute denken, es ist jetzt Weihnachten, draußen liegt Schnee, heutzutage nicht mehr so viel, aber man hängt sich dann die Vögelchen an den Baum und und ersehnt sich dann das Frühjahr, wenn die Vögelchen wiederkommen. Das ist meines Wissens eigentlich die ganze Bedeutung
Taleka:
Ach witzig, das also wusste ich tatsächlich auch nicht. Hab ich auch wieder was dazu gelernt. Gibt es denn für dich andere Klassiker, also mal abgesehen von klassischer Christbaumkugel, wo Du sagst, das gehört auch noch in den Baum
Michael:
Aus meinem Sortiment, oder? Tja, das ist nicht, weil er zufälligerweise der größte und der teuerste ist, aber ’n richtig schöner, großer, aufwendig gemalter Weihnachtsmann, den man nicht nur hängen kann, sondern auch auf den Tisch stellen kann.
Dennis:
Lass uns doch mal ein wenig über die Stadt Lauscha an sich sprechen.
Du bist ja da groß geworden und die Stadt Lauscha gilt als Wiege des Christbaumschmuck. Es ist überall, wenn man durch Lauscha fährt, sieht man auch die großen Schilder Glasbläser statt Lauscha. Und ich find, das ist sie auch. Also mein Eindruck ist so, da in Lauscha gibt es das Glashandwerk und darüber identifiziert sich auch die Stadt. Ist das aus deiner Sicht so?
Michael:
Das ist Lauscha ist gleichzusetzen wie ich für mich wie mit Glasstadt und auch mit dem Publikum, das nach Lauscha kommt. Warum kommt’s nach Lauscha? Nicht nur, weil Lauscha schön ist, sondern weil’s wirklich erwiesenermaßen die Geburtsstätte des gläsernen Christbaumschmucks ist. Ja.
Taleka:
Kannst Du uns als Lauschner mal so die Geschichte erzählen, wie’s denn zum gläsernen Christbaumschmuck kam?
Michael
Also da gibt’s die folgende Legende, dass, wie soll ich anfangen, Lauscher wurde gegründet fünfzehn siebenundneunzig von Müller und Greiner. Das waren zwei aus dem Schwabenländle, die waren auf der Suche nach einer Region in Deutschland, wo’s Holz, Sand und Wasser gibt zum Erbau einer Glashütte. Und als sie dann übrigens vom Herzog Johann Kasimir von Coburg1597 die Lizenz bekommen haben, diese Hütte zu bauen, dann ging es erstmal mit Hütten geblasenen Glas los und es wurden Gläser des täglichen Bedarfs, also Parfümflaschen und Krüge, hergestellt aus dem Ofen heraus, aus dem Glashüttenofen heraus. Und dann Röhren, kleine dünne Röhren. Dann fing es an, da haben die ersten Glasbläser zu Hause kleinste dünne Perlen, Glasperlen aufgeblasen. Und dann heißt es, irgendwann soll es den Glasbläser gegeben haben,
also namentlich nicht bekannt, der aus Ermangelung an echten Früchten für Weihnachten, für einen Weihnachtsbaum, denn bis dahin hat man sich Äpfel, Birnen, was man gerade hat, an den Baum gehängt, also echte, hat dieser Glasbläser gesagt: „Wenn wir schon das Geld nicht haben für die richtigen Früchte, dann mache ich mal einen Apfel aus Glas oder eine Birne und so weiter. Da gab es also eigentlich nicht die erste Weihnachtskugel, sondern die ersten Weihnachtsfrüchte. Dann hat der ziemlich bekannte Woolworth aus den USA davon Wind bekommen, denn er war schon öfters unterwegs nach Sonneberg, die nahegelegene Spielzeugstadt. Dann hat er davon gehört, geht nach Lauscha, hat sich diesen Glasbläser rausgepickt, so ähnlich muss es abgelaufen sein. Und dann hatte irgendwie dann später Lauscha den ersten, wahrscheinlich kleinen in Anführungsstrichen Auftrag, dass Woolworth erstmal das ausprobieren wollte von 200.000 Kugeln. Die gingen dann nach USA und dann hat sich das ein klein wenig rumgesprochen.
Dennis:
Also eine lange, lange Zeit. Ein Handwerk mit ganz, ganz viel Tradition. Das ist ja auch das Hauptthema unseres Podcasts eigentlich. Wie siehst du das? Wie hat sich das Glasblaserhandwerk vor allem in den letzten Jahren verändert?
Ich habe so das Gefühl, dass diese Zeiten mit „Wohlwort kommt vorbei, zwanzigtausend Kugeln, das ist nicht mehr so.
Michael: Zweihunderttausend.
Dennis:
Zweihunderttausend Kugeln. Das ist heute anders.
Michael:
Das ist heute anders. Ja, ich meine, ich muss ja nicht sagen, die Welt hat sich verändert. Es gibt andere Produzenten. Die Ware, also Christbaumchmuck wird aus China importiert, aus Polen, Tschechien, ähm, und so weiter. Da spielt natürlich das Thema Billigkonkurrenz eine Rolle, aber eben nicht erst seit gestern. Und ich weiß immer nicht, was man darauf sagen soll, aber wir kämpfen weiter, die es noch gibt. Ich sage auch immer nicht, ich spreche nicht von Konkurrenz, wenn ich von meinen Glasbläserfreunden, die auch selbstständig sind, rede. Wir kämpfen weiter und bisher ist es uns gelungen. Und wer nach Lauscha kommt, denn dann habe ich immer festgestellt, dann wollen die Leute eben nicht importierte Ware oder gar
Maschinenware, sondern wollen das einmal sehen und da haben sie Gelegenheit bei mir und bei den anderen und, ähm, da ist immer ein kleiner Aha-Effekt dabei und dann sagen sie, um es einmal ganz scharf zu sagen: Manche hängen sich ja Plastik, seelenlosen Plastik-Dreck an den Baum. Und bei uns ist es eben nicht so. Man kann auch mal bei den Glasbläsern probieren, selbst eine Kugel zu blasen. Alles andere als eine runde Glaskugel kommt dann zwar raus, aber sie wissen, wo der Hammer hängt. Das macht Laune, das macht Spaß, das ist ein Erlebnis. Und die meisten gehen nach Hause und haben dann das Original am Baum.
Taleka:
Ja, wo du es ansprichst, also bei dir auch, kann man ja auch zugucken- -während du aufbläst. Wir haben ja auch eine kleine Schauwerkstatt. Wie war denn dein erster Gedanke, als du gesagt oder gehört hast: „Wir machen in Coburg einen Laden auf, so mit: „Wir blasen dann auch mal mit der Kundschaft ein paar Kugeln auf, zumal du ja weißt, dass weder Dennis noch ich eigentlich das Fachhandwerk dafür können
Dennis:
Gib es zu, du hast gedacht, die sind doch total Panne.
Michael:
Nee, nee. Ich war damals 91, als ich angefangen habe, war ich wahrscheinlich a total panne. Ja gut, ich war wenigstens Kunstglasbläser, war 21, aber, pff, ich habe schnell gemerkt, dass ihr nicht nur, den großen Mund habt, sondern ihr habt euch richtig reingekniet. Ihr wart ja auch nie zu scheu, jetzt noch mal den Haberland anzurufen oder andere: „Was kann man da machen? Wie geht das? Und so weiter. Nein, warum tun wir es nicht versuchen?
Dennis:
Da an dieser Stelle, das ist auch der Grund, weshalb wir dich eingeladen haben, weil wir dir auch sehr, sehr dankbar sind für deine Unterstützung in den letzten zwei Jahren.
Michael: Okay
Dennis:
Du hast uns auch in Lauscha und Umgebung ganz, ganz viele Türen aufgemacht.So willst du überzeugen, geht das am besten über einen Zeugen, so nach dem Motto: Danke noch mal an der Stelle.
Michael:
Ist ja viel zu viel des Lobes.Danke auch.
Dennis:
Gerade dieses Thema Konkurrenz aus Fernost.Du hast es schon mal ein stückweit, angeschnitten gerade.Ähm, wie gehst du mit diesem Thema um?
Michael:
Ja, wie ich schon sagte, das ist nicht ganz neu, das Problem. Was soll ich dazu sagen? Wie gesagt, ’91 habe ich mich selbstständig gemacht. Da gab es auch etliche Hürden zu nehmen, Gewerbeschein und überhaupt eine Handwerkerkarte zu bekommen und, und, und. Und dann gab es natürlich auch damals, wie soll ich es vorsichtig ausdrücken, von einigen, die in Lauscha wurden, die bedenken: „Ach Gott, wenn der Haberland sich jetzt selbstständig macht, wenn der andere da, der Köhler oder wie sie auch alle heißen, sich selbstständig macht. Konkurrenz für manche alteingesessene „Glasbläser. Und nicht weil ich die Weisheit mit Löffeln gefressen habe, aber ich habe mir schon damals gedacht: Mensch, das Problem sind doch – dürfen nicht wir untereinander sein, in Lauscha. Wir müssen zusammenhalten. So, die Konkurrenz gab es auch schon damals und, war mir schon, es war auch schon absehbar, dass die immer besser, schneller und auch eventuell auch billiger produziert aber, oder ich sage es mal anders: Wenn heutzutage bei mir Kundschaft kommt und die wissen: aha, hier gibt es nur Formen, ich brauche aber noch Kugeln an dem Baum, dann sage ich: Gerne! Und da weiß ich’s eben, wo ich sie hinschicke und eben nicht unbedingt ins Ausland, will ich mal sagen, sondern hast schon den Namen gesagt, zum Beispiel zu Rolf oder Bärbel. Da weiß ich, die bekommen ordentliche Ware, sitzen auch in Lauscha, dann gibt es den einen oder anderen, der hat sich auf Spitzen spezialisiert und der Schock letzten Jahres, mit dem, mit der einzigen Firma, die uns die Rohlinge noch liefert, das muss man sich auch mal vorstellen, wenn man nicht den einen oder anderen den Auftrag auch gönnt und vor allem, wenn’s auch nicht die Sachen sind, die man selbst unbedingt macht, dann geben die Glasbläsereien eben dieser Firma, die Gott sei Dank wieder am Laufen ist, Aufträge.Und das kann eben verdammt jeder gut gebrauchen.So, und deswegen meine Einstellung und viele andere, der meisten möchte ich behaupten, ist die: Wir schicken uns gegenseitig die Kunden zu und eben nicht woanders hin.
Taleka:
Was wir hier ganz, ganz oft hören, das Thema: Können Sie das nicht einfach wieder dranschmelzen? Ähm, mittlerweile habe ich genug Erfahrung durch deine Ratschläge und auch durch Anja, dass ich weiß, dass vieles halt nicht so einfach geht, aber dass ich auch immer wieder spannend finde. Also ich hatte erst vor ein paar Tagen eine Kundin, die kam hier rein mit einer gebrochenen Christbaumspitze. Doppelspitze? Ja, da ist oben die Kugel ab. Können wir die nicht mal wieder dran…Ja, ich habe ja einen Brenner stehen. Machen Sie doch mal wieder ganz.
Da habe ich sie angeguckt und habe gesagt: Äh, nee. Michael: Keine Chance.
Taleka:
Keine Chance. Das kann ich nicht mal kleben oder sonst irgendwas. Also das ist hinüber. Zumal dann auch noch Lack drauf war. Also ich habe sie sehr dafür gelobt, dass sie auf das Thema Nachhaltigkeit steht und sagt: Ich repariere es lieber, wenn es möglich ist. Wobei ich ihr dann halt auch den Zahn ziehen musste zu sagen: Das können wir nicht reparieren. War natürlich auch sehr traurig, weil dann natürlich auch immer die Kunden mit Geschichte kommen und sagen: Na ja, aber die habe ich noch von meinen Eltern. Die ist aus Mitte der Sechziger. Wo man dann schon merkt, dass man viele Leute auch trifft in dem Bereich, die sagen: Ne, das habe ich noch von meinen Eltern, das habe ich noch von meinen Großeltern. Und da das Thema Nachhaltigkeit, finde ich persönlich, auch bei jungen Leuten wieder mehr Aufschwung nimmt, zu sagen: Ja, weg vom Plastik, weg von der CO2-Emission
Michael: Find ich auch so, ja.
Taleka
Genau, da ist die Frage: Wie nimmst du das so wahr oben in Lauscha? Was kriegst du
damit? Sind es vermehrt Junge oder sind es die Alteingesessenen, die halt das gute Traditionshandwerk noch zu schätzen wissen
Michael:
Ja, ich kann das, ich kann das nachvollziehen. Der meist, der meiste Teil von, ich sag mal, Laufkundschaft, die mit Eltern, Großeltern oder kommt und es sind jüngere Leute dabei, die sind durchaus interessiert. Es gibt auch welche, oder Kleinstkinder: „Oh, jetzt müssen die mit mir jetzt zum Glasbläser. Wie langweilig wird das dann?“ Aber, also es ist wirklich so, wenn mal einmal – Also wenn’s den jungen Leuten oder kleinen Kindern so ging wie mir damals mit vier Jahren, wie ist der Glaselefant entstanden? Dann gehen die schon mit hängendem Kiefer manchmal raus. Und wenn sie dann selbst noch mal probiert haben und wie gesagt, es kommt nie eine Glaskugel raus, eine Banane oder eine Schnecke oder was weiß ich, dann ist das ein kleines Abenteuer für die, für die Leute. Und die Leute verstehen dann wie, wie, wie sachte, dass man eben mit den alten Erbstücken von Mutter, Großmutter umgehen soll. Manche, manche sagen dann auch: „Ach Gott, ja, und das kann man gar nicht mehr reparieren. Na, da kommt das Zeug nicht mehr an den Baum.“ Dann sage ich: „Schön, schön drauf aufpassen, es hat Jahrzehnte überdauert.“ Ja, es wäre schade drum. Taleka, jetzt fällt mir ganz spontan jetzt noch mal was ein – zu dem Thema. Ich hatte ’nen alten – Das war nicht mein Lehrmeister, sondern mein Mentor.
Da wird gesagt, geh mal zu dem alten Glaskläser hin, der so und so heißt. Bei mir war es der Theo Enders, das kann ich sagen. Lebt lange nicht mehr. Und von dem hat man sich auch, habe ich mir auch ein paar Sachen zeigen lassen. Und dann hat er mir einmal gesagt, Michel, eins musst du begreifen, das ist mit die Sache mit dem Glas, das ist nicht so wie bei einem jemandem, der Bilder malt, künstlerisch malt oder ein Bildhauer. All die Leute, die können den Pinsel mal weglegen, wenn sie Feierabend haben, einen schlechten Tag haben, Probleme mit der Frau oder da wird der Meißel weggelegt von dem Steinmetz. Wir müssen das anfangen und das Glas verzeiht dir nichts. Es geht ein Arbeitsschritt schief, dann kann man das gleich in die Tonne hauen. Und weiter geht es dann eben auch mit der Malerei. Also das, aber wie gesagt, das ist mir jetzt erst wieder eingefallen mit Theo.
Taleka:
Aber das ist ja auch die Kunst – Dinge herzustellen, die verdammt einfach aussehen. Aber genau das ist es ja. Es ist jahrelange Übung. Und wie du sagst, ne, wie viel da erst mal in die Tonne wandert, bis man das dann so hinkriegt. Das ist ja, ja eigentlich das, das Schöne an der Geschichte, ne, dass es halt eben nicht jeder machen kann, sondern dass es auch Leute gibt, die sagen: „Ich würd’s sehr gerne machen und einfach feststellen, es ist nicht mein Handwerksberuf.
Michael:
Ja, schön ist es dann vor allem, wenn man nach einem Dreivierteljahr merkt: „Aha jetzt wird’s auch mal langsam was.“
Taleka:
Genau. Also das ist halt…Genau, das ist halt so, wie glaube ich, die wenigsten Meister sind bis jetzt vom Himmel gefallen. Vieles ist halt einfach üben, üben, üben
Michael:
Als ich und meine Kumpanis das gelernt haben – Wie viel da in die sogenannte Spießkiste gewandert ist, das möchte man gar nicht wissen. Und was sich diese Spießkiste, wo das kaputte, nicht gelungene Glas rein geschmissen wird, das erste halbe, dreiviertel Jahr, was sich diese Spießkiste für Schimpfwörter anhören musste.
Taleka:
Ja, aber wie du sagst, Glas ist eben nicht geduldig. Es wartet nicht. Wenn es einmal warm wird, musst du es verarbeiten. Dann hast du immer noch das Risiko, dann wenn es abkühlt, wie du es schon gesagt hast. Es sind ja doch die einen oder anderen Parallelen auch zu anderen Handwerken wie zum Beispiel zur Porzellan-und der Keramikmalung.
Also ich habe von vielen Malern auch gehört, dass die Christbaumschmuck-Veredelung nicht gelernt haben, sondern aus der Porzellan-und Keramikmalerei kommen, weil ähnliches Prinzip: Wenn da ein Pinselstrich falsch sitzt, ist der ganze Teller oder die ganze Suppenschale hin, weil das Korrigieren sieht man beim Brennen. Und das ist ja, der Lack trocknet ja auch innerhalb von Sekunden, lässt sich ja in der Regel auch nicht mal eben wegwischen. Also es ist schon wirklich was, wo ich mir vorstellen kann, dass das auch sehr frustrierend sein kann, gerade für die, die anfangen, mit deiner Spießkiste, dass es auch bei den Malern so ist. Wenn die, die, die Lehre anfangen und dann sitzen sie da und dann haben sie die aufgeblasenen Kugeln und der letzte Strich geht schief. Oder sie müssen nießen und der Pinsel geht einmal über die Figur und dann ist die, ja, doch minütige Arbeit dann dahin, wenn nicht sogar stundenweise, je nach Aufwand natürlich. Spannendes Unterfang.
Dennis:
Was mich da interessiert, würde, ist aber, wenn diese Lernkurve, die du gerade beschrieben hast, gar nicht mal so leicht ist. Was würdest du denn einem jungen Menschen, der sich für eine Ausbildung im Glashandwerk interessiert, sagen: „Mach es, mach es nicht
Michael:
Ich habe keine Verbindung zu den Auszubildenden in Lauscha. Nicht weil mich das nicht interessiert, aber ich komme nicht dazu, reibe mich ein bisschen getrennt. Aber es werden jährlich viele, ich glaube, fünfzehn oder zwanzig Lehrlinge ausgebildet, junge Leute. Und was ich denen sagen möchte oder sollte? Oh Gott. Haltet durch. Einfach haltet durch. Also ihr müsst das mögen. Ihr müsst das mögen. Na ja, klar, man muss sich immer im Leben überlegen: Was für was bin ich geboren? Will ich Gärtner werden oder oder Maurer oder so? Aber, mein Gott, fünf Daumen an eine Hand, dann wird es schwierig. Dann wird es klar.
Dennis:
Wir waren vorhin ja schon bei dem Beschreiben, wie sich die Branche in den letzten dreißig, vierzig Jahren verändert hat. Wie siehst denn du die Zukunft für die Branche, vor allem für die jungen Leute, die jetzt nachkommen?
Michael:
Wie gesagt, die müssen durchhalten und die müssen am Markt Nischen finden. Es reicht nicht mehr, wenn man sagt, ich kann jetzt eine Kugel blasen. Das muss schon was Raffiniertes sein. Und ja, Kundschaft suchen heutzutage… Ja gut, vielleicht ist es heutzutage auch wieder leichter wie damals für mich am Anfang. Da gab es noch kein Internet. Ich bin damals einfach, habe mich mit meiner Mutter in den Trabant gesetzt und wir durften im Westen fahren. Ja, so ist das gelaufen. Aber ja, das äh…
Taleka:
Das war halt eine andere Art der Recherche und der Kundenakquise.
Michael:
Das war eine andere Zeit, genau, und eine andere Recherche. Ja, die müssen sich einfach was Tolles überlegen, immer was anderes machen als die anderen. Muss manchmal noch grundlegend nicht einmal was total anderes sein. Ich kann nur eins sagen, bei mir war auch mal ein Kunde. Ich sage natürlich keinen Name. Es war ein Lauscher und hat gesagt: „Guck mal, hier habe ich einen Vogel. Diesen Vogel macht der und der. Kannst du mir den also machen?“ Ich habe gesagt: „Ja, werde ich aber nicht.“ „Warum denn nicht?“ Mir fällt glatt was anderes ein, denn Klass gibt ja immer
nicht hunderte, tausende Möglichkeiten. Wenn man mit Glimmer spielt, mit Farben, mit Formen, habe ich gesagt: „Dieses Spielchen mache ich nicht mit. Und das machen auch die anderen nicht mit.
Taleka:
Genau, ist auch eine gesunde Einstellung.Ähm Andere zu kopieren und replizieren ist ja ähm einfach, ich sage mal, ein einfaches Unterfang, weil es ist nichts Weiteres als abmahlen.
Michael:
Man tut sich aber keinen Gefallen.
Taleka:
Genau, man tut sich keinen Gefallen und das ist auch nicht die feine Art und schränkt auch irgendwo die eigene Kreativität ein. Weil wie du sagst, Glas bietet so viele Möglichkeiten. Es ist transparent und dann fängt es an. Versilber ich es oder tauche ich es einfach nur? Ich finde das auch immer sehr spannend, wie unterschiedlich ein und der gleiche Lack aussehen kann auf einer Klarglaskugel, auf einer versilberten Kugel. Wenn man dann auch noch mit verschiedenem Glitzer spielt. Also ich habe ähm zum Beispiel auch eine große Erfahrung für mich war, wie viele unterschiedliche Silbersorten es alleine gibt. Ich habe dann Silber mit Rot-und Grünpigmenten, ich habe einen Stahlsilber, ich habe ein Silber, was in so eine grau-grün richtung geht, wo man dann dasteht und sagt: „Ja, und jetzt entscheide ich mal.
Michael:
Da muss ich jetzt sagen, da kenne ich bestimmt einiges auch noch nicht.Kannst du mir gerne mal zeigen.
Taleka:
Ja, zeige ich die unten sehr, sehr gerne mal. Also ich habe gedacht, ich bestelle einfach mal im Netz halt Silber, Silberglitter damit wir die personalisierten Kugeln machen können. Mmm Und stand er dann, guckt das Silber an und sagt: „Ja, aber irgendwie ist das nicht so silbrig, wie ich mir das vorstelle. Mmm Bestell also ein zweites Mal Silber
mhm und kriege wieder was, wo ich sage: „Ja, ist ganz nett, aber ist auch nicht das Silber, was ich mir vorstelle. Mmm Aber allein dieses spannende Unterfang, wie dann eine Farbe unterschiedlich ausschauen kann – und das Gleiche habe ich ja mit Glas auch. Genau Das ist so, dieses ähm Schwarz-Hochglanz hat eine ganz andere Wirkung als ein Schwarz-Matt-Ton, auch wenn das Pigment- Schwarz an sich das Gleiche ist. Sieht auch wieder anders aus, wenn die Kugel versilbert ist. Der schwarze Spahn übrigens, den du mir auf Kundenwunsch angefertigt hast, der ist eingeschlagen wie eine Bombe. Die Dame stand mit Tränen in den Augen da.
Michael:
Oh Gott, hoffentlich nicht Freudentränen.
Taleka:
Definitiv.Sie meinte, das ist genau so, wie sie sich es gewünscht hat.
Michael:
Sehr schön.Freut mich.
Taleka:
Das sind halt einfach auch die Punkte, wo wir Gott sei Dank immer mehr Menschen kennenlernen dürfen, die wirklich dieses Christbaumschmuckgeschäft auch als Handwerk und als Kunst identifizieren und nicht als notwendiges Übel für den Christbaumschmuck, sondern wirklich sagen, ich gehe nach Lauscha, ich gehe auch zu Glaswunder und ich kaufe mir Lieblingsstücke. Heutzutage ist es, glaube ich, auch wieder der Trend, Nachhaltigkeit und vor allem in Deutschland hergestellt.
Michael:
Ja, gebe ich dir recht. Und wenn ich ehrlich bin, ich würde sogar so weit gehen, dass ich habe da den einen oder anderen Kunden, man bekommt auch mal Bilder auch von USA aus den Geschäften, da liegt die Ware drin und da steht er Bei diesen Kunden steht aber dran: Made in Poland, made in Czechoslovakia, made in Germany, made in China. Ich will mal sagen, solange das der Verkäufer so macht, dann kann ja jeder für sich selbst entscheiden. Eine Plastikkugel kann gewiss auch ganz nett und schön
aussehen, aber es darf auf keinen Fall passieren, dass eine Maschinenkugel als mundgeblasene angepriesen wird. Das ist der Moment, wo sich bei mir und meinen Kollegen die Nackenhaare aufstellen. Und deswegen geht bei mir keiner raus, wer eine Vorführung hat, geht bei mir raus und weiß: „Aha, wie erkenne ich eine mundgeblasene Kugel? Da gibt es zwei Kriterien, die kann ich jetzt hier reinsprechen. Kein Mensch wird es kapieren. Die sollen nach Lauscha kommen oder hierher, dann kann man es zeigen, aber da geht keiner raus und weiß dann nicht. Also die Leute wissen dann Bescheid
Dennis:
Ich habe nur noch eine Frage. Was wünschst du dir für die Glasbläserei Aberland in der Zukunft?
Michael:
Ich bin jetzt 57 geworden. Ich möchte und muss das noch ein paar Jährchen machen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, wenn dann es heißt, jetzt gehe ich in Rente, dass ich dann … Ich habe euch ja gesagt, wie das Ding heißt, das heißt nicht Glasblastisch, sondern das ist der Burg, der Blaseburg, dass ich dann am anderen Tag meinen Burg vor der Tür setze. Ich glaube, das kann man nicht einfach so lassen. Da werde ich weitermachen, was noch geht. Und wenn meine Tochter Sophia oder Clarissa oder beide da irgendwie eine Art an sich noch finden, dann stelle ich mir das höchst romantisch vor, den beiden das mal ein bisschen nahezubringen. Genau.
Dennis:
Dann bleibt das in der Familie.
Michael
Ja, die haben aber ihren eigenen Weg und auch schöne Berufe. Aber wenn sie … Wie sagen die Bayern? „Na, bisserl was geht immer. Wenn sie aber ein bisschen was rumdealen, sagen die Lauscher, die Glasbläser, immer, dann bin ich gern dabei.
Taleka:
Ich glaube, das ist auch so ein Beruf, den kann man nicht einfach so rentenalternd danke.
Michael:
Ich kenne. Keinen der alten Glasbläser, die als sie in Rente gegangen sind, das Ding, wie gesagt, vor die Tür gesetzt haben.
Taleka:
Kann ich mir auch nicht vorstellen, weil das ist auch, glaube ich, ein Beruf, da hat man einfach Liebe für. Da hat man jahrelang auch hart für gearbeitet, hart für trainiert und sich ausprobiert, dann von jetzt auf gleich zu sagen: „Ja, danke War nett die letzten 30, 40 Jahre. Ich stelle dich jetzt vor die Tür.
Michael:
Es macht mir einfach zu viel Spaß.
Taleka:
Genau, das ist es halt.
Es macht mir einfach zu viel Spaß. Und daher …
Dennis:
Ja, ich glaube, in der Branche ist es ganz, ganz schwer, jemanden zu finden, der das nicht der Sache wegen macht. Wenn man irgendwo Geld verdienen will, da gibt es genügend andere Branchen, wo das viel, viel besser funktioniert. Die Glasbläserbranche und auch der Handel mit dem Christbaumschmuck, das ist was, da haben wir, glaube ich, das ist die Sache, die wir teilen: Eine Leidenschaft für das Glas.
Taleka:
Und vor allem fürs Handwerk. Wie sieht denn Weihnachten bei dir aus?Steht der Baum schon?
Michael:
Der steht noch nicht. Der steht noch nicht. Ich sage mal, so aus privaten Gründen habe ich die letzte Zeit nicht mehr einen Weihnachtsbaum gemacht und Weihnachtskranz. Ein bisschen bescheidener. Die Kinder sind aus dem Haus. Aber das wird wieder kommen, dass ich mir wieder mal ein Brümchen aufstelle oder einen richtigen Baum. Und das heißt nicht unbedingt, dass dann nur Sachen von mir dann kommen. Ich habe auch, wie gesagt, von meinen Freunden, Kollegen, Kugeln, die hänge ich auch gerne dazwischen. Spitz mache ich auch nicht. Da gibt es noch andere Experten, aber das ist dann … Das wird dann schön wieder.
Taleka:
Wir haben dich ja jetzt aus Lauscha hierher geholt. Sag uns doch mal, wo man dich findet, am besten mit Adresse und Öffnungszeiten, damit man dir auch mal einen Besuch in deiner Schauwerkstatt abspricht.
Michael:
Ja, das sollen die Kunden sich in einem Biergarten in Koburg mit der Klawisser haben. Nein, Quatsch. In Lauscha, Kreuzstraße 18. Lauscha kann man von Seiten von Steinach rein fahren oder von Seiten von Neuhaus. Aber wichtig ist, meine Glasbläserei klingt auch wieder blöd, aber die ist mit an der höchsten Stelle von Lauscha. Das ist Ortsteil Köplein, kommt von der Kuppe. Köplein, Kreuzstraße 18.
Taleka:
Perfekt.
Muss man sich bei dir vorher anmelden oder könnte man auch einfach sagen: „Montag, zwölf Uhr, ich stehe mal vor der Tür und winke durchs Fenster?
Michael:
Anrufen, telefonieren, E-Mail, das ist allemal besser, weil an und für sich habe ich nicht den Verkaufsladen an den Endkunden, sondern produzieren in der Hauptsache Leutchen wie euch, schöne Glasgeschäfte und Leute, die auf die Weihnachtsmärkte gehen. Aber wenn dann private Anfragen kommen, einfach einen Termin ausmachen und da kann dann jeder seine Banane oder Schnecke aufblasen.
Taleka:
Oder halt auch mal gucken, was du so machst.Du hast mir, ich glaube, das erste Mal, als ich allein da war, hast du mir einen Schwan aufgeblasen und hast mir gezeigt, wie du das mit dem Schwan machst.
Michael:
Da sind wir wieder bei dem Schwan.Jetzt werden die Leute denken, ich kann auch den Schwan aufblassen.
Taleka:
Vögel, Schwäne na ja, ist das alles irgendwie Geflügel?
Dennis:
Dann, glaube ich, sind wir für heute am Ende.Michael, ich sage vielen lieben Dank, dass du da warst.
Taleka:
Ich auch.Vielen, vielen Dank.
Michael:
Ich sage es auch.Vielen, vielen Dank.
Dennis:
Und da wir die letzte Folge vor Weihnachten haben, auch an alle unsere Hörer ein frohes Weihnachtsfest. Wir verabschieden uns in die Weihnachtsfeiertage. Wir wünschen euch allen zauberhafte Weihnachten. Kommt gut ins neue Jahr.
Michael:
Frohes Fest für alle da draußen.
Dennis: Frohes Fest.
Taleka:
Und guten Rutsch.
Von der Kunst zum Christbaumschmuck, von der Wirtschaftspolitik zur Partnerschaft, von Lauscha nach Coburg. Danke Michael, für die Einblicke in das Glasbläserhandwerk. Frohe Weihnachten euch allen und bis zum nächsten Jahr bei Glasklar.
