Zusammen mit unserem Gast, Paul Heller von der Glaserei und Galerie Späth, sprechen wir über die Vielseitigkeit der Werkstoffes Glas, Zukunftsperspektiven im Handwerk und warum Coburg ein Kaff ist, aus dem junge Menschen wegziehen und schon nach ein paar Jahren wieder den Weg zurück in die Heimat finden.
Transkript
Glas verbindet. Ob Flachglas oder Hohlglas, ob Dusche oder Christbaumkugel – hinter jedem Stück steckt Handwerk und Leidenschaft. Paul Heller von der Glaserei und Galerie Spät erzählt, warum Coburg ein Kaff ist und warum das gut so ist. Willkommen bei GlasKlar, Episode 3.
Taleka:
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge GlasKlar. Mein Gast heute ist Paul Heller. Hallo Paul, schön, dass du da bist. Stell dich doch mal kurz vor.
Paul Heller:
Hi, Grüße an die Runde. Ja, mein Name ist Paul Heller. Ich bin gebürtiger Coburger, 32 Jahre jung und lebe in Coburg.
Taleka:
Was machst du beruflich?
Paul Heller:
Wir haben eine Glaserei und eine Galerie, die ich quasi in der zweiten Generation jetzt übernehmen werde und weiterführen darf.
Taleka:
Also gebürtiger Coburger und Glas und Glaserei, also etwas, was uns schon mal verbindet. Als wir 2023 nach Coburg gezogen sind, wart ihr einer der ersten, wo wir in der Galerie bei euch unsere kleinen Schmuckstücke ausstellen durften. Erzähl uns doch mal kurz ein bisschen was über das Thema Glaserei, Rahmung, wie kam es, dass ihr dann auch noch eine Galerie gegründet habt?
Paul Heller:
Grundsätzlich sind wir, oder hat mein Vater vor 30 Jahren gestartet in einer kleinen Werkstatt, in einer kleinen, kleinen Garage in Kreidlitz, mit seinem, ja, mit einem Kollegen von ihm und haben quasi Restaurationen im Denkmalschutz gemacht,
Bleiverglasungen hergestellt, alte Fensterscheiben getauscht und dazu eine kleine Rahmenwerkstatt. Und aus dem ganzen Konstrukt ist dann irgendwann eine Galerie entstanden, die wir bis heute auch noch führen, selber verwalten und Künstler ausstellen dürfen.
Dennis:
Das bei euch in der Galerie durften da ja auch schon ausstellen. Ich habe bei meinem ersten Besuch gar nicht mitbekommen, dass ihr die ja auch mit Auszeichnung von der Stadt die Remise, wo die Galerie jetzt drin ist, ja auch saniert habt damals, richtig?
Paul Heller:
Richtig, genau. Also es war, ich muss jetzt lügen, wenn ich sage, es ist 20 Jahre her, war das eigentlich ein Gebäude, was so eingewachsen war. Also von dem Gebäude hat man eigentlich von der Strasse nichts mehr gesehen, weil davor Urwald war. Und man musste sich erstmal durch den ganzen Hof durchkämpfen und Gestrüpp und Bäume irgendwie fällen und beseitigen, um erstmal an das Gebäude ranzukommen. Und dann waren da ja keine Decken mehr drinnen. Das heißt quasi, am Ende des Tages stand nur das Äußere, die äußere Form. Und alles, was dann daraus entstanden ist, hat quasi mein Vater mit der Firma Spät gebaut, erschaffen und entwickelt, so muss man es kurz sagen, kurz gesprochen.
Taleka:
War zu dem Zeitpunkt geplant, dass die Glaserei da einzieht, oder war das so eine Art Herzensprojekt zu sagen, da ist was, das man aufbauen kann, oder war das so, das bauen wir aus und machen da die Galerie rein?
Paul Heller:
Grundsätzlich war immer der Gedanke, dass die Galerie und die Glaserei da reinkommen. Wir waren davor, wer sich daran erinnert, in Ketschendorf an der Ecke von der neuen Heimat und der Ketschendorfer Straße. Da ist so ein blaues Haus, wo auch noch unser altes Logo dran ist. Und das war quasi die zweite Geschäftsstelle der Glaserei Spät und dann gab es den Umzug in die Galerie oder in die Remise. Und ja, da hat man dann Hand in Hand gearbeitet. Die Galerie war oben im ersten Stock, die
Glaserei war hinten, da wo jetzt die Weingalerie ist.der Herr Körtel. Ja, und so hat sich das Ganze entwickelt da draußen.
Taleka:
Was macht ihr denn bei der Glaserei Speth genau? Also was sind so eure Produkte, Aufträge?
Paul Heller:
Es geht vom Vitrinenbau bis hin zu Geländern, Fenster, Spiegel, Interieur, Duschen, Trennwände und alles, was eigentlich mit Glas zu tun hat. Ich muss da auch immer sagen, Flachglasprodukte, ganz wichtig, das auch zu unterscheiden, auch zu euch.
Dennis:
Das ist so ziemlich das einzige was wir nicht machen.
Taleka:
Ich glaube, wenn ich mich recht erinnere, habt ihr auch den Windfang in der Moritzkirche gemacht, ne?
Paul Heller:
Genau, war auch ein Projekt, damals auch schon lange her. Genau, haben wir damals konstruiert, gebaut und steht bis heute.
Taleka:
Sicher.
Erzähl uns doch mal kurz was zu dir. Was treibt dich so ins Handwerk? War das so eine Entscheidung, ja, der Papa macht’s, deshalb mache ich es auch? Oder war es die Faszination des Materials?
Paul Heller:
Da muss ich jetzt eine Gegenfrage stellen, wie ehrlich darf man sein?
Taleka:
So ehrlich, wie du sein magst.
Paul Heller:
Grundsätzlich war es bei mir so, ich bin da reingedrückt worden. Ich war auf der Schule und irgendwann hatte ich keine Lust mehr auf Schule und wollte raus, ich wollte den Zwängen entfliehen und wollte in die Großstadt. Das war schon immer mein Ziel, was anderes sehen, weil ich irgendwann gesagt habe, nein, Schule, Bankdrücken möchte ich nicht mehr. Ja, und dann war mit 18 schulisch bei mir irgendwo Schluss und dann bin ich in die Nähe von Frankfurt gezogen, zwischen Frankfurt und Darmstadt und habe dort meine Glaserlehre angefangen. Auch ein bisschen mit heimischem Druck, der dann entstanden ist, weil ich doch was machen musste oder machen sollte. Und so habe ich dann drei Jahre lang den Werkstoff Glas für mich entdeckt. Wir hatten eine Schule, oder Berufsschule war damals in Hadamar. Da waren sehr viele Kunstglaser auch dabei und auch Glasbläser, also Apparatebauer, sagt man dann quasi dazu. Und so hat man dann verschiedene Facetten vom Glas mitbekommen, die den Werkstoff dann auch interessant gemacht hat. Nicht nur das reine Flachglasprodukt, sondern auch mal gesehen, was machen andere. Das Richterfenster im Kölner Dom zum Beispiel haben eine Firma dort gemacht. Es ist nicht nur das Glas, aus dem man trinkt, sondern da ist viel mehr dahinter.
Taleka:
Das können wir nur bestätigen. Das heißt, du bist quasi in Koburg aufgewachsen, hast dann gesagt, gut, dann reicht, ich brauche ein bisschen Großstadtfeeling. Wann bist du denn zurückgekommen? Direkt nach der Ausbildung oder hast du gesagt, nein, du machst da jetzt erstmal noch fernab der Heimat zwei, drei, vier, fünf Jahre?
Paul Heller:
Grundsätzlich hab ich drei Jahre in der Nähe von Frankfurt gelebt. dann hatte ich das Bedürfnis, auch mal wieder heimzukommen, weil die Größe der Stadt Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet dann doch ein bisschen erdrückend war, wo ich dann auch gesagt habe, so bei meinen Freunden und bei der Familie ist es nicht schlecht.
Ich mache doch ein Jahr mal wieder daheim. Ein Gastjahr, sage ich jetzt mal. Und dann aus dem Ganzen bin ich dann wieder ein Jahr später raus, bin nach Passau, habe meinen Glasbautechniker gemacht in der Berufsschule Vilshofen und war dann zwei Jahre in Vilshofen und dann bin ich nach Würzburg gezogen. Dort quasi Projektleitung gemacht, auch im Glasbereich, für einen verarbeiteten Betrieb. Und dann bin ich mit 26 wieder zurück nach Coburg.
Taleka:
Weil dann mit Familie und Freunden gefehlt hat, oder weil der heimische Druck gesagt hat, ich brauche dich in der Firma. Sowohl als auch. Es war dann irgendwo eine Zeit, da kam dann auch Corona irgendwo. Und man hat immer so das Gefühl gehabt, man möchte trotzdem wieder daheim sein. Und man hat natürlich auch die Familie vermisst, man hat seine Freunde vermisst. Man hat dann auch Coburg erleben und schätzen gelernt, weil man mal draußen war und hat sich angeguckt, wie es woanders ist. Man hat sich weiterentwickelt und irgendwann sagt man dann aber, in Coburg ist es trotzdem schön und ich möchte da auch ganz gerne wieder zurück. Und das war dann der Zeitpunkt, wo ich gesagt habe, okay, jetzt gehen wir wieder zurück und ich fange quasi beim elterlichen Betrieb an. Und dann hat sich dann eins zum anderen entwickelt. Und jetzt bin ich sechs Jahre hier in Coburg und bereue diesen Schritt nicht.
Taleka:
Ja, ich glaube das können wir auch bestätigen. Also festzustellen, wie schön Coburg ist und als gebürtige Berliner, wenn man da, also mit 32 dann weggeht und dann nach Coburg kommt und dann feststellt, wie schön sie ist. Man, also wir haben nicht den Drang, zurück nach Berlin zu gehen, weil wir feststellen, Coburg ist viel schöner als Berlin. Von daher, wie oder was bedeutet es für dich, ein lokales Unternehmen in Coburg zu führen? Also ihr seid ja auch viel hier in der Region, aber ihr macht ja auch überregionale Projekte, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Aber nichtsdestotrotz ist ja regional viel auch in und um Coburg.
Paul Heller:
Grundsätzlich ist immer das Credo, einen Mehrwert für eine Region, für die Leute dort zu schaffen. Sonst würde es, glaube ich, keiner machen, also kein Unternehmer, irgendwie sich selbstständig zu machen. Also man möchte ja begeistern. Das eine ist, man hat ja einen Betrieb zu führen, die Leute muss man begeistern, sowohl intern als auch extern. Deswegen, mich treibt es eigentlich an, eine Faszination, die gleiche
Faszination, die ihr auch teilt mit eurem Werkstoff Glas, weiterzugeben. Das ist eigentlich der Anreiz oder das, was mich jeden früh aufwachen lässt und auf die Arbeit gehen lässt.
Taleka:
Wie wichtig ist dir, weil du es gerade auch ansprichst, Mehrwert zu geben, mit anderen Unternehmern und auch mit der Stadt zusammenzuarbeiten?
Paul Heller:
Ich glaube, dass wir ein Netzwerk brauchen, ein gutes Netzwerk brauchen, weil du von vielen verschiedenen Menschen, Personen immer was lernen kannst. Du musst offen durch die Welt gehen. Und wenn du dich dem Ganzen irgendwie entziehen willst, dann trittst du auf der Stelle. Ist meine Meinung. Es gehen auch verschiedene Meinungen. darf jeder seine Meinung haben. Aber ich glaube, dass du durch ein Netzwerk, sei es von der Stadt bis hin zu Unternehmen, bis hin zu Freunden, immer einen Mehrwert erreichst für dich selber.
Taleka:
Sehe ich genauso, sowohl privat als auch beruflich, ist das unglaublich wichtig, weil man auch ganz oft dann ja von aussen Inspiration oder Anregungen oder auch Ideen sammeln kann. Also so geht es uns zumindest sehr viel und man halt auch immer so dieses im Hinterkopf hat, ich kenne da jemanden, der kann das, oder ich habe da jemanden, der könnte das eventuell. Ich glaube, sowas ist ganz wichtig. Uns verbindet ja das Thema Glas, aber auf unterschiedlichste Art und Weise. Bei dir ist es, wie hast du das ausgedrückt, Flachglas, bei uns ist es Vollglas beziehungsweise Hohlglas. Was macht dich oder was macht für dich das Thema Glas so besonders?
Paul Heller:
Ich glaube die Vielseitigkeit tatsächlich. Man denkt immer, ich sage jetzt mal, die klassische Glasscheibe in der Dusche. Alles transparent und so weiter, die Kanten sind ein bisschen poliert. Ne, schaut schön aus, aber was man aus dem Ganzen noch machen kann, mit welchen verschiedenen Variationen man es irgendwie bedrucken kann, laminieren kann, mit welchem Werkstoff man es verbinden kann, ob es Holz ist, ob es Metall ist, glaube ich, macht es ganz interessant und ich glaube, dass dadurch auch eine gewisse Leichtigkeit im Material steckt, sage ich jetzt mal, weil du es optisch
nicht sehr wahrnehmen kannst, musst, aber auch in verschiedenen Varianten auch wieder darfst.
Taleka:
Der Unterschied, wie du sagst, von der einfachen Duschwand bis hin zum Beispiel zum Kirchenglasfenster, das ist ja, wo man dann wirklich das Glas an sich betrachtet und stundenlang sich angucken kann, wie man das geschaffen hat, während man, wie sagt man so, das Duschwandglas relativ als notwendiges Übel so, ja, man nimmt es wahr, man macht es sauber. Es hat eine Funktion, ist aber künstlerisch betrachtet halt sehr einfach gehalten.
Paul Heller: Genau.
Taleka:
Wenn du dir das Thema Glas in eurer Glaserei anschaust und unsere Produkte, was findest du sind für dich so die markantesten Unterschiede, gar nicht mal so vom Werkstoff, sondern vielleicht einfach eher vom Handwerk?
Paul Heller:
Grundsätzlich von der Formbarkeit. Also ihr habt ja, ihr macht ja Figuren, ne, Ihr habt ja gesagt, Hohlkörper ist ja eigentlich euer Zugpferd. Und wir haben eigentlich nur das reine Flachglasprodukt. Also wir reden über Flachglas, gezogene Gläser, mundgeblasene Gläser auch, aber halt im Flachglasbereich, also selten, dass wir mal einen Hohlkörper irgendwo verbauen, sondern bei uns wird es dann gebogen oder gepresst, je nachdem, gibt es verschiedene Varianten. Und ich glaube, dass in der Branche der Glasbläserei die Formbarkeit, die Kunst nochmal einen ganz anderen Stellenwert hat, als bei uns beim maschinell gefertigten Glas.
Dennis:
Ich hätte noch mal eine Frage, insofern, wir waren gerade bei dem Thema Regionalität so ein Stück weit und Tradition. Wie wichtig ist für dich so dieses Thema Kurk, Tradition, und ihr seid ja auch einer, sage ich mal, der Traditionshandwerksbetriebe aus Kurk. Euch gibt es ja schon sehr lange. Wie wichtig ist so dieses Thema Pflegen von Traditionen für dich?
Paul Heller:
Pflegen von Traditionen. Wenn man aus Coburg kommt, glaube ich, liegt alles einem irgendwie auch im Blute. Man wird ja mit der Geschichte groß. Coburg, die Stadt, die mit dem englischen Königshaus irgendwo verwandt ist, wo man auch immer stolz drauf ist. Und dann, sage ich mal, setzt es immer auch mal, also im Privaten, im geschäftlichen Dasein, immer seine Fußstapfen trotzdem irgendwo hin. Grundsätzlich Traditionen bei uns im Glas gibt es dahingehend weniger, aber Traditionspflege, sei es über die Handwerkskammer, sei es über den Bundesinnungsverband, sei es über die Länder übergreifend. Man beschäftigt sich, wie machen es andere, wie ist der Fortschritt, wie geht es weiter, wie haben die Traditionen das groß gemacht oder wie haben die Vorgänger die Tradition ausgeübt, wie üben wir es jetzt aus. Es ist immer so ein schleichender Prozess, glaube ich, der nie sagt, okay, jetzt machen wir hier einen Cut und fangen dort wieder an, sondern es entwickelt sich. Ich glaube, das ist auch der Gedanke, so wie wir es leben. Wir versuchen, dem 21. Jahrhundert gerecht zu werden. Man kommt ja, man entwickelt sich stetig und stehen bleiben ist immer Rückschritt.
Taleka:
Kannst du da für dich zum Thema Tradition und Glas und so weiter einen Unterschied zwischen dem Glas von vor zehn Jahren in der Herstellung und in der Produktqualität erkennen im Vergleich zu jetzt? Das ist bei uns zum Beispiel ein sehr, sehr großes Thema, dass wir viele Glasbläser haben, die sagen, na ja, damals war das Glas deutlich widerstandsfähiger oder es hat mehr gehalten im Formungsprozess. Und heute habe ich einige Glasbläser, die sagen, ja, das Glas läuft. So man hält es in die Flamme und man kann gar nicht so schnell reagieren.
Paul Heller:
Ja, es gibt gewisse Unterschiede, wie ich gerade schon angesprochen habe. Das sind immer so Übergangsprozesse. Ich glaube, also früher hat man das Glas ja noch gezogen. Also es ist vertikal nach oben gezogen worden über Rollen. Jetzt läuft das Industrieverfahren mit einem Zinnbad, mit einem Zinnbad, wo quasi die Glasscheibefläche oben drüber läuft und dann am Ende des Tages in Form geschnitten wird. Also, das ist quasi wie so ein Hochofen, muss man sich vorstellen. Unten ist ein Zinnbad und oben drauf läuft die Glasmasse und am Ende des Tages wird es dann aus dem Ofen gefördert, abgekühlt und dann laufen da Bahnen kilometerweise raus und dann wird es quasi auf das entsprechende Maß geschnitten. Aber natürlich, die Wirtschaft sagt auch, Rohstoffe und sowas werden immer teurer. Also die Qualität verändert sich tatsächlich. Wie du es gerade angesprochen hast, das Glas läuft, oder man hat mehr Einflüsse, man reduziert quasi die Höherwertigkeit von den Rohstoffen
und versucht halt, das Ganze auszugleichen. Das ist aber, glaube ich, wie überall. Es ist einfach, die Nachfrage regelt alles und es ist dann meistens der Punkt, wo wir als Verarbeiter darunter leiden.
Dennis:
Ja, so dieses Thema. Man möchte gerne Qualität liefern, aber Qualität hat dann natürlich auch seinen Preis. Das merken wir ja auch jeden Tag.
Paul Heller:
Also ja, ich bin da absolut bei euch. Das Thema ist, man muss das, also das eine ist, wie wirtschaftlich kann ich es halten, wie kann ich meine Qualität entgegensetzen dazu? Und da muss ich aber sagen, haben wir im, ja, ich sage mal, im deutschen Raum, also man merkt tatsächlich Unterschiede, die in dem DACH-Raum produziert werden zu Gläsern, die vielleicht aus aus Asien kommen und so weiter, die mit dem Seecontainer rüberkommen, wo du dann aber auch Riesenunterschiede hast. Das ist dann Dann ist dann die Formbarkeit und die Verformung im Glas schon sehr markant.
Dennis:
Haben wir wieder eine Gemeinsamkeit gefunden. Ja, das ist, glaube ich momentan auch nicht nur in unserer Branche so, dass das ein grundsätzliches Problem ist, was wir haben in Deutschland, das Regionalität muss man ein Bewusstsein für entwickeln, sowohl die Unternehmen wie die Verbraucher. Und ja, das ist das, was aus Fernost kommt, ist nicht immer schlecht um Gottes Willen, aber es ist halt schon so, dass man dort durchaus Qualitätsunterschiede sieht. Irgendwo kommt der Preis ja her.
Taleka:
Du hast ja als Coburger und nicht nur in deiner beruflichen Laufbahn und privat über deine Familie mit Coburg zu tun, sondern auch in der Regionalität Coburg, Rennsteig. Hast du selber Beziehungen nach Lauscha? Kennst du Glasbläser aus Lauscha?
Paul Heller:
Also tatsächlich muss ich sagen, wir haben familiäre, wie sagt man, Strukturen nach Lauscha, die aber, also in der Generation meines Vaters wurden die noch gepflegt, aber bei uns in meiner Generation sind die so langsam abhanden gekommen. Wir wissen zwar noch, wo der ein oder andere wohnt oder sitzt mit seinem Unternehmen, mit
seinem kleinen Unternehmen, weil die sterben ja auch so langsam leider aus, alle, diese kleinen Glasbläsereien und so weiter. Ja, man hat da auch immer so ein Auge drauf, aber man verfolgt es nicht mehr so, wie es in der Generation oder in den Generationen vor uns gemacht wurde.
Dennis:
Da sprichst du gerade ein interessantes Thema. Dieses Aussterben von kleinen Betrieben. Ihr seid ja auch ein Ausbildungsbetrieb, soweit ich weiß. Richtig. Wie wichtig ist für dich allgemein dieses Thema Fachkräfteausbildung?
Paul Heller:
Das Handwerk wird nur überleben, wenn das Handwerk versteht selber, für seinen Nachwuchs zu sorgen. Wir haben jetzt letztes Lehrjahr drei Lehrlinge ausgebildet zum Glaser. Das waren 10% in ganz Bayern. Also es gab eine Schulklasse mit 30 Leuten. Drei Glaser davon oder Glaserinnen sogar kamen von uns. Und da sieht man einfach auch, dass es wieder zurück in die Köpfe gehen muss, dass das Handwerk so anstrengend es auch manchmal ist, aber auch so schön ist es manchmal. Du hast eine gewisse Flexibilität in deinem Beruf. Du sitzt nicht nur 24 7 vor deinem PC und starrst in die Röhre, sondern du hast die Möglichkeit, vieles zu sehen, viele Einflüsse zu haben und dich im Nachgang aber auch weiterzuentwickeln. Also es ist nicht so, dass das Handwerk den Stellenwert auch besitzt, den es vielleicht vor 20 Jahren hatte. Dass man seine Ausbildung gemacht hat und dass da der Weg dann irgendwann vorbei war. Ich kann da immer nur von mir reden. Ich habe auch meinen Weg gemacht, obwohl ich Schule stand auch gesagt habe, ich habe keine Lust mehr. So, also es ist immer Luft nach oben, aber es liegt immer an den einzelnen Personen, die das dann auch umsetzen wollen.
Taleka:
Ich finde, beim Handwerk hat man am Ende des Tages immer etwas, wo du einen bestimmten Erfolg auch siehst. Sei es, dass du jetzt eine Mauer gezogen hast oder dass du im Landschaftsgartenbau die Pflanzen eingesetzt und die Beete begradigt hast. Das ist was, was mich persönlich am Handwerk immer fasziniert, was dann halt bei so einem Schreibtischjob gerne mal verloren geht, weil selbst Papierakten irgendwie nicht weniger werden. ist das was, wo ich sagen muss, ist für mich ein ganz, ganz grosser Pluspunkt am Handwerk wirklich, das sehen, was man geschaffen und auch geleistet hat. Und auch wenn das Projekt nicht an einem Tag fertig wird, sieht man ja trotzdem
die Fortschritte. Also man sieht, womit man angefangen hat und was man am Tagesende dann erreicht hat, was ich persönlich als sehr befriedigend auch empfinde und einfach auch einem ein gutes Gefühl gibt, dass man halt wirklich was geleistet hat.
Paul Heller:
Absolut. Also kann ich nur unterstreichen, das ist auch das, wo ich dann auch manchmal raus muss aus dem Büro, weil ich einfach, wie du gerade gesagt hast, Papier ist geduldig und es wird nicht weniger, ne? Also, obwohl du es irgendwie abarbeitest, kommt genauso die gleiche Menge wieder dazu. Und am Ende des Tages siehst du eigentlich effektiv nicht, was du geleistet hast. Also du hast nicht dieses, die Haptik, dass du mit deinen eigenen Händen oder mit deiner eigenen Kraft was erschaffen hast. Du arbeitest Mails ab und dann kommt wieder eine Mail dazu und dann kommt wieder eine Mail dazu…
Taleka:
Und die Antworten auf die Mails, die man schon geschrieben hat, also von daher…
Dennis:
Ja, ich glaube aber auch, dass so dieser das Handwerk war ja über Jahrzehnte, will ich sogar schon sagen, verpönt mehr oder weniger. Man kann im Handwerk nicht wirklich Geld verdienen so und mach bloß keine Lehre im Handwerk, weil im Grunde du dann immer nur, sage ich mal so, der einfache Handwerker bist. Und da gibt es wenig Karrierechancen. Mittlerweile finde ich, hat sich dieses Image vom Handwerk aber ganz schön gedreht. Einfach aufgrund dessen, dass sehr wenig Handwerker in Deutschland noch da sind. Und mittlerweile, ja, leider, aber mittlerweile da das jetzt auch in den Köpfen der Menschen angekommen ist, so ist zumindest mein Eindruck, dass ich auch, wenn ich denn jetzt überhaupt noch einen Handwerker bekommen möchte, der hat das Auftragsbuch voll. Ich muss dankbar sein, dass er mich noch nimmt und dementsprechend können Handwerker ja auch wieder einen ganz anderen Geldbetrag aufrufen für ihre Leistungen. Angebot und Nachfrage an der Stelle immer, weshalb ich auch glaube, dass dieser Punkt, dass kein Geld verdient werden kann im Handwerk, was meiner Meinung nach gar nicht immer so war, sondern einfach nur so ein falsches Bild über das Handwerk war über Jahrzehnte, dass sich das wieder so ein Stück weit ändert.
Paul Heller:
Also ich glaube, dass wir so langsam wieder die Sinnbarkeit vom Handwerk, vom Handwerker an sich in die Köpfe zurückbekommen. Weil wie du gerade gesagt hast, es gibt weniger, es fällt so langsam auf, oh Mist, ich muss jetzt doch mal sechs, acht Wochen auf einen Handwerker warten. Grundsätzlich ist es halt einfach, also ohne das jetzt werten klingen zu lassen, aber es ist, glaube ich, auch politisch irgendwo in eine Richtung getrieben worden, wo man gesagt hat, das Handwerk an sich hat nicht mehr die Chancen, die Aufstiegschancen, die du vielleicht in einem Job im Büro oder irgendwo was hattest oder hast. Und das ist, glaube ich, ein hausgemachtes Problem, wo wir halt jetzt dran arbeiten müssen, dass es wieder weitergeht. Und man sieht, es kommen wieder junge Leute ins Handwerk, es gibt viele, also viele aus meiner Zeit in Coburg, aus Vilshofen, aus Haderma, Studierende oder die studiert haben, die dann gesagt haben, hey, ich habe eigentlich, ich kann es nicht, also mir macht es keinen Spaß, am Tisch zu sitzen, am Bürostuhl zu hocken und 24 7 in meinen PC zu gucken und irgendwelche Konstruktionen zu planen. Ich möchte raus. Und das ist das, was ich jetzt so gerade im Handwerk, sei es Schreiner, Dachdecker, Glaser, Metaller mitbekomme, dass viele Leute wieder zurückgehen.
Taleka:
Was bedeutet dir denn das Thema Unterstützung in der lokalen Community?
Paul Heller:
Also, ich kann es jetzt wieder nur aus Handwerk, also zu einer Seite aus Handwerk projizieren, dadurch, dass wir so wenige sind hier im Handwerk, im Bau gerade noch überbleiben. Also die Generation, diese Boomer-Generation, die im Handwerk war, die sterben jetzt so langsam auch aus. Also die Betriebe werden weniger, ja, das Rentenalter ruft dann auch irgendwann. Leben wir Jungen davon, dass wir uns kennen, dass wir uns durch die Schule kennen, dass wir durch Sportvereine uns kennen, dass jeder irgendwie weiß, auch durch die Größe von Coburg, wo der andere hingehört, was Spaß macht und eine Zuordnung stattfindet. Genauso ist es aber, ein Netzwerk zu haben, was jetzt erstmal nicht unbedingt was mit dem Handwerk zu tun hat, sondern wo kann man sich am Ende ergänzen.
Dennis:
Ja Paul, wir haben uns ja damals kennengelernt. Das erste Mal, dass wir uns gesehen haben, war direkt bei euch in der Galerie. Wir haben uns im November, glaube ich, Ende Oktober, Anfang November das erste Mal dann kennengelernt. Und da waren wir,
wir sind im Mai nach Coburg gezogen, also gerade ein halbes Jahr hier. Und damit wart ihr mehr oder weniger für uns so die erste lokale Fläche, auf der wir ausstellen durften. Ich kann mich daran erinnern, ich stand dann einfach mit drei Kartons voll Ware bei dir in der Galerie, habe da mal auf dem Tisch ausgebreitet und dir so ein bisschen gezeigt, was wir machen. Was war denn dein erster Eindruck?
Paul Heller:
Oh, ich bin jemand, ich bin nie verschlossen neuen Sachen gegenüber. Das war immer für mich das Thema, sei offen zu dem, was der andere vielleicht bringt, was er hat, was er macht. Und versuche es so umzuwandeln, dass beide davon profitieren können. Für mich war immer so das, auch vielleicht durch den familiären Background, trotzdem, der dann noch mit reingespielt hat, obwohl ich gerade gesagt habe, ich habe eigentlich mit der Generation nichts mehr am Hut, die in Lauscha Glaskugeln produziert, war es für mich dann trotzdem so auch ein Herzensprojekt, wo ich vielleicht gesagt habe, hey, komm, wir machen jetzt was zusammen. Und natürlich auch die Exklusivität, die man vielleicht dann gesehen hat. Bei euch an eurem Christbaumschmuck zu dem herkömmlichen Christbaumschmuck, den man vielleicht bis dato gesehen hat. Also das war dann das Produkt an sich mit euch kombiniert war der ausschlaggebende Grund, wo man gesagt hat, komm, wir machen da was.
Dennis:
Ja, das war auch so mein Eindruck. Ich bin reingekommen zu euch in die Galerie und habe gedacht, ja, besser kann ein Start in Coburg eigentlich kaum sein. Das ist das richtige Ambiente für unsere Produkte. Deshalb da an der Stelle auch nochmal vielen lieben Dank für die Chance.
Paul Heller: Immer
Dennis:
Das war glaube ich, für beide Seiten eine gute Entscheidung, dass wir das machen.
Paul Heller:
Am Ende des Tages muss man sehen, man hat einen Mehrwert geschaffen. Das ist das Netzwerk, was wir vorhin, glaube ich, auch angesprochen haben. Wir können nur
voneinander immer profitieren. Wir sind eine junge Generation. Wir machen vielleicht Dinge anders, als es unsere Eltern getan haben, als unsere Großeltern. Und ich glaube, dass wir davon sehr viel lernen können. Wir können lernen, wie haben die es früher gemacht, wie machen wir es. Und ich glaube, dass das das Schöne auch immer ist, neue Menschen, neue Sachen kennenzulernen.
Dennis:
Die Galerie gibt es jetzt seit wie vielen Jahren?
Paul Heller:
Da muss ich lügen. Ich glaube, seit knapp 20 Jahren ist diese Galerie so nebenbei entstanden. Wie ich gerade gesagt habe, Rahmenwerkstatt, dann kam das Passepartout dazu und dann kamen so die ersten Vernissagen dazu. Was aber auch, glaube ich, bedingt war, dass wir in der Remise waren, weil ich davor selten oder zu meiner Zeit, an die ich mich noch erinnern kann, glaube ich, in der Kirchendorfer Straße keine Vernissagen hatten.
Dennis:
Ich glaube, ihr bietet ja auch Rahmung an für Leute, die jetzt, sage ich mal, ihr Bild schon haben, richtig?
Paul Heller:
Also für uns als Galerie, Rahmenwerkstatt ist es nicht wichtig, ob wir das Bild verkauft haben, sondern für uns steht der Kunde im Endeffekt im Vordergrund und das Bedürfnis vom Kunden. Wenn der die Kunden, der Kunde sagt, hey, ich habe da ein Bild, das ist ein Familienbild und das möchte ich gerne meiner Oma oder meinem Opa zum 90. Geburtstag schenken, dann werde ich einen Teufel tun, mich dem Ganzen zu verweigern, es einzurahmen, sondern ich will ja dem Kunden einen Mehrwert bringen an seinem Bild. Das ist die Hauptaufgabe von uns als Galerie und auch Rahmenwerkstatt.
Dennis:
Und mit dem Thema Kunst oder Galeriebetrieb an sich. Seid ihr, ich will nicht sagen die einzigen, aber schon relativ überschaubar ist ja die Landschaft der Galerien in Coburg. Ansonsten ist ja eher so Kunstanlaufstellen die grösseren Städte, würde ich mal sagen.
Gibt es da für dich irgendwie was, wo man sagt, da könnte man noch mehr im Kunstbereich tun in Coburg?
Paul Heller:
Also ich glaube, dass wir Coburg an sich eine sehr künstlerisch und auch kulturell geprägte Stadt sind. Wir haben unser Landestheater, auf das, glaube ich, jeder Coburger stolz ist, dass wir es noch haben, dass wir eine Stadt sind mit einem Landestheater. Auch wenn wir jetzt gerade den Ausweichort am Globe haben und wir hoffen ja immer, dass es irgendwann weitergeht. Aber grundsätzlich glaube ich, dass die Stadt Coburg auch ziemlich viel tut für Künstler und dass das kulturelle Leben weitergeht in der Stadt.
Dennis:
Was ist noch geplant in der Galerie in den nächsten Tagen?
Paul Heller:
Also wir haben jetzt zum Beispiel noch zwei Künstler dieses Jahr. Einmal sogar, ich glaube, in Italien dürfen wir jemanden vertreten. Das ist jetzt gerade in der Planung. Und ansonsten haben wir Ende November noch eine Ausstellung von unseren drei ersten Künstlern, die, glaube ich, in der Galerie ausgestellt haben. Und da bin ich auch ganz stolz drauf, dass die noch mal zurückkommen und ihre Kunst ausstellen wollen. Also das macht der Bernd Hohnstein immer sehr gut mit den Künstlern und bringt die da wieder zurück und engagiert sich, dass wir da auch erfolgreich sind. Ja, und deswegen sind wir auch alle froh, dass wir den Bernd haben.
Dennis:
Ist deiner Sicht der Weg ins Handwerk und in die Selbstständigkeit heutzutage noch? Was würdest du einem jungen Menschen, der vielleicht auch überlegt, so ins Handwerk zu gehen, mitgeben?
Paul Heller:
Schau dir vieles an, schau dir viele Handwerksberufe an, schau dir generell viele Berufe an. Entscheide dann, was für dich der richtige Beruf ist, wo du merkst oder was dir gefällt. Das kann ja mehrere Geschäftszweige sein. Mit einem musst du aber
irgendwann mal anfangen oder darfst du anfangen. Was du selber draus machst, ist dir überlassen. Die Grenzen vom Handwerk sind nicht gesetzt, weil jedes Handwerk ist irgendwie mit einem anderen Handwerk verbunden. Wir haben auch nicht nur mit Glas zu tun, wir haben mit Holz zu tun, wir haben mit Metall zu tun. Man hat mit Kunststoffen zu tun. Die Kunststoffwelt kommt so langsam in das Handwerk mit rein. Und das macht das Ganze interessant. Aber irgendwo muss man immer anfangen. Deswegen sage ich, jeder, der Praktika macht, jeder junge Mensch, der in der Schule ist, der für sich sagt, hey, ich möchte raus, ich möchte was erleben, guckt euch vieles an, nehmt eure Zeit in den Ferien, nicht nur auf dem Bolzplatz oder irgendwo im Sport, im Fitnessstudio oder daheim auf dem Sofa, sondern geht in die Firmen, guckt euch das Ganze an, erkundigt euch vielleicht auch bei der HAWK, was gibt es überhaupt für Handwerke. Und dann sucht ihr euch mal welche raus und dann sucht ihr euch vielleicht auch mal welche raus, die nicht ganz oben stehen. Wo ihr vielleicht sagt, boah, schwierig, Arbeitszeiten, schwierig. Oder vielleicht das Material oder die Gegenstände, mit denen man arbeiten muss, sind jetzt nicht die erste Wahl. Und dann kannst du für dich filtern, was willst du und was willst du nicht. Und das wäre, glaube ich, die Herangehensweise, wie ich jetzt junge Leute ins Handwerk bringen würde möchte.
Taleka:
Ja, so ein bisschen Wie ist es ausprobieren, solange man halt noch nicht wirklich davor steht, zu sagen, ich muss jetzt unbedingt was machen, sich möglichst viel anzugucken, offen sein, Dinge auszuprobieren, ohne dass man dahinter halt irgendwie den Druck hat, jetzt zwangsläufig schnell was finden zu müssen und dann etwas wählt, was einem nicht so liegt.
Paul Heller:
Du hast ja immer deine Zeiten, du hast ja sechs Wochen Sommerferien oder mal zwei Wochen im Pfingsten, glaube ich, zwei Wochen. Und da würde ich einfach Verschiedenes mir angucken und einfach, wie gesagt, wie du gerade gesagt hast, offen sein dem Ganzen und sich nicht verschließen, weil nur durch Vielfältiges Ausprobieren kannst du dir eine Meinung bilden und kannst für dich entscheiden, wo willst du hin. Und wenn das nichts ist, hast du immer noch die Möglichkeit, die Reißleine zu ziehen. Das ist ja dann eine andere Situation, wenn man dann eine Lehre anfängt und dann nach zwei Wochen feststellt, das ist jetzt aber nicht, wo ich mich drei Jahre lang durchquälen muss. Also es ist dann immer so, ist für den Betrieb nicht schön, für den einen oder anderen dann auch nicht, weil er dann denkt, ich enttäusche Menschen oder ich enttäusche irgendjemanden, sondern einfach für sich sagen, das ist die will ich
ausprobieren und da kann ich mich dann sehen. Wenn es dann im Nachhinein nicht passt, dann ist das so. Aber eine Vorfilterfunktion würde ich schon einbauen.
Dennis:
Und für die Kunst? Was wünschst du dir für die Kunstszene in Coburg?
Paul Heller:
Für die Kunstszene in Coburg. Dass wir offen sind, dass wir den Weg weiter so gehen, den wir bis jetzt gegangen sind, dass wir wieder mit der Galerie auch namhafte Künstler, internationale Künstler, es schaffen, wieder nach Coburg zu bringen, wie wir es damals mit dem James Rizzi oder mit Francis Gill, die ja Modern Art im Museum of Modern Art in New York ausstellen, die die Pop-Art irgendwie so mitbegründet haben. Dass wir als Galerie wieder sagen, hey, wir wollen wieder international und da auch eine gewisse Unterstützung vielleicht von der Stadt bekommen, dahingehend zu sagen, hey, es ist für die Stadt auch ein Mehrwert, wenn wir es wieder schaffen, internationale Künstler hierher zu bekommen.
Taleka:
Sag uns doch mal, wo man die Glaserei und auch die Galerie spät finden kann, wenn man, wenn man irgendwie was zu reparieren hat oder sich einfach nur schöne Kunst angucken will.
Paul Heller:
Also die schöne Kunst und die Rahmenwerkstatt inklusive Passepartouts gibt es in der Wiesenstraße 22. Da ist die Abteilung Kunst tatsächlich zu Hause. Das heißt, alles, was mit Bildern, Einrahmungen entsteht, findet dort statt. Alles, was den handwerklichen Part angeht, also alles, was mit Glas zu tun hat, finden sie oder findet ihr am Güterbahnhof 6 in Coburg. Und grundsätzlich kann man aber zu beiden Firmen hingehen und wird dann dementsprechend beraten, wenn man sich unsicher ist, wohin man denn am Ende gehen soll oder darf, muss, wie auch immer man das entscheiden darf dann am Ende.
Taleka:
Dann danke dir für die Galerie und auch für dich persönlich. Alles Gute weiterhin. Wir bleiben ja weiterhin mit spannenden Projekten in Kontakt.
Paul Heller: Hoffentlich
Taleka:
Ja, ach bestimmt, weil der Rohstoff uns verbindet und Coburg ist ja nun …
Paul Heller: Ein Kaff
Dennis:
Das ist ein schönes Schlusswort.
Paul Heller:
Die Coburger an sich sagen immer, Coburg ist ein Kaff.
Taleka:
Ich glaube, damit haben wir das passende Schlusswort gefunden.
Paul Heller:
Ich bedanke mich auch nochmal ganz herzlich an euch beiden. Schön, dass ich da sein darf und ich freue mich auf das, was noch auf uns zukommt.
Von der Großstadt zurück nach Coburg, vom Flachglas zum Hurrglas, vom Handwerk zur Kunst. Danke, Paul, für den Einblick in deine Welt. Coburg ist ein Kaff und genau das macht es besonders. Bis zur nächsten Folge.
