„Willkommen bei glasklar – Episode zwei. Heute zu Gast: Markus Zimmer vom Goldenen Kreuz, Coburgs ältestem Gasthaus. Es geht um fränkische Küche, das Geheimnis der Coburger Rutscher und die Frage: Was verbindet ein Wirtshaus mit einer Glaskugel? Viel Spaß!“
Transkript
Willkommen bei GlasKlar, Episode 2. Heute zu Gast Markus Zimmer vom Goldenen Kreuz, Coburgs ältestem Gasthaus. Es geht um fränkische Küche, das Geheimnis der Coburger Rutscher und die Frage, was verbindet ein Wirtshaus mit einer Glaskugel? Viel Spaß!
Taleka:
Herzlich willkommen im GlasKlar-Podcast. Heute zu Gast Markus Zimmer vom Goldenen Kreuz, das älteste Gasthaus Coburgs. Markus, schön, dass du da bist.
Markus Zimmer:
Schön, dass ich da sein darf.
Taleka:
Markus, du bist der Wirt vom Gasthaus Goldenes Kreuz direkt am Markt in Coburg. Erzähl doch mal, wie bist du nach Coburg gekommen?
Markus Zimmer:
Ja, durch große Umwege eigentlich. Eigentlich wollte ich einen ruhigeren Job in der Gastronomie haben, wollte aus dem normalen A-la-carte-Geschäft ein bisschen raus und habe gedacht, ich bewerbe mich mal bei der Brose für die Kantine. Das hat nicht ganz geklappt, die haben mich dann gleich hier hochgesetzt in das Goldene Kreuz und haben gesagt, das wäre doch eine neue Herausforderung für dich. Und so habe ich es gemacht.
Taleka:
Was hast du denn vorher gemacht, dass du gesagt hast, du willst raus aus so viel Trubel in ruhigere Kantinen Atmosphäre?
Markus Zimmer:
Ja, ich war vorher jahrelang in Kronach unterwegs, also wir hatten die Festung, das Scharfe Eck und dann war ich noch in einem Hotel. Und ja, das war einfach alles immer Tradition und jetzt bin ich wieder in einer Traditionsgaststätte in Coburg gelandet.
Taleka:
Dein Gasthaus steht ja für Tradition und auch für Handwerk. Du bist gelernter Koch, hast mit internationalen Köchen gearbeitet. Erzähl uns doch mal ein bisschen was über deinen Werdegang.
Markus Zimmer:
Ja, meine Lehre habe ich im Hotel Victoria in Bad Mergentheim gemacht. Das hatte einen Stern im Restaurant bei Hubert Retzbach, der mir das Ganze so ein bisschen beigebracht hat, der hat mich auf die Linie gebracht Richtung gehobene Gastronomie. Das hat mir damals sehr viel Spaß gemacht. Jetzt ist es mir zu viel Chichi und Schnickschnack, jetzt möchte ich doch lieber mehr handwerklich arbeiten und einen richtigen Sauerbraten mit gescheiten Klößen.
Taleka:
Bei dir steht ja auch das Traditionshandwerk sehr, sehr im Fokus. Jetzt kommst du aus einer Sterneküche und hast gesagt, du möchtest lieber ein bisschen was Bodenständigeres, sage ich mal, machen, weil ich der Meinung bin, dass es sehr viel handwerkliches Geschick bedarf, so ein perfektes Schäufele herzurichten oder auch ganz klassisch für Coburg die Coburger Rutscher. Waren die Rutscher ein Produkt, was du selber erst noch lernen und etwas perfektionieren musstest, oder war das so, wo du gesagt hast, na ja, Kloß ist Kloß?
Markus Zimmer:
Nein, Kloß ist Kloß ist ganz falsch. Ich musste den Rutscher auch lernen, weil im Schwäbischen werden die Klöße ganz anders gemacht als in Oberbayern, Niederbayern, Oberfranken, Mittelfranken. Thüringen ist nochmal anders. Ich hatte aber das Glück, dass ich von meinem Koch mit Spitznamen Köchle auch das Handwerkliche lernen konnte, wie man den Coburger Rutscher richtig zubereitet. Und das ist kein leichtes Spiel.
Dennis:
Was mich da brennend interessiert: Ist das eigentlich immer das gleiche Rezept oder macht man da von Gasthaus zu Gasthaus schon so ein bisschen seinen eigenen Stil mit rein?
Markus Zimmer:
Im Großen und Ganzen ist es ziemlich das Gleiche immer, denke ich mal jetzt von den Häusern. Freilich, für einen oder anderen macht da ein bisschen was anderes rein. Das erste Mal, wie ich angefangen habe, den Coburger Rutscher zu machen, habe ich meinem Stefan gesagt: Stefan, so ein Hauch Muskat. Das geht nicht. Und dann sage ich immer: Doch, Stefan. Nein, das geht nicht. In meiner Speisekarte steht auch drin, wie der Coburger Rutscher gemacht wird, weil ich ihm zu oft erklären musste, dass der nicht verkocht ist, dass der so gehört, wie er auf dem Teller ist, dass er auch schon fettig ist.
Es sind grob gesagt fünf Teile gekochte Kartoffeln, dieses gekochte Wasser, also mit dem Wasser, wo die Kartoffeln drin gekocht werden, das wird dann püriert und dann auf
einen Teil roh geriebene Kartoffeln mit ein bisschen Stärke. Dann kommt noch ein bisschen etwas rein – ja, Geheimnisse dürfen sein. Genau, aber es sind keine Eier oder irgendwas. Und dieser heiße Brei wird dann über die rohe Masse drüber gegossen, dann schnell miteinander verschlagen und heiß ins Wasser reingedreht.
Er rutscht also aus der Hand, weil es ist ein Brei, ein heißer Brei, der dann in den Topf reinrutscht, relativ schnell raufkommt. Also wir können die Klöße relativ schnell schicken. Er ist da auch schon fertig. Nach dem Schlagen ist der Teig schon fertig, weil die heiße Masse einfach den rohen Rieb ausgleistern lässt. Und dann kann man ihn ins Wasser rutschen lassen, vom Wasser wieder auf den Teller rutschen lassen und vom Teller dann in den Mund rutschen lassen. Deswegen der Coburger Rutscher. Und dazu ein bisschen Soße und eigentlich ist man schon satt.
Taleka:
Ja, die Coburger Rutscher sind tatsächlich, wenn man so die Klöße durchgeht, doch was ganz Besonderes. Was ist denn so deine Masterzahl an Klößen, die du mal zubereiten musstest für ein Event oder eine Veranstaltung?
Markus Zimmer:
Traditionell ist natürlich Weihnachten immer der Großkampftag in der Gastronomie, aber auch an Glühmarkt oder Pfingsten, wo in Coburg der Ausnahmezustand ist. Dann machen wir am Tag zwischen 400 und 600 Klößen. Zum Glück macht das nicht nur einer, sondern meistens machen das dann zwei, drei, dass sie abwechseln können, weil er trotzdem auch noch von Hand geschlagen wird bei uns. Das ist wirklich wie gesagt, Handwerk.
Gibt es denn noch außer den Coburger Rutschern und dem Schäufele bei dir traditionelle Küche oder achtest du schon darauf, auch viele neue Komponenten einzuarbeiten?
Markus Zimmer:
Ne, traditionelle Küche steht im Vordergrund. Also die ganzen Bratengerichte, Ente, Schäufele, Sauerbraten, Märch – das sind einfach die Klassiker, die wir bei uns im Haus haben. Und die wird es auch weiterhin im Goldenen Kreuz immer geben. Aber man muss sich natürlich auch öffnen für Vegetarier oder verschiedene Allergien, was es mittlerweile alles gibt. Und das sind immer wieder neue Herausforderungen und die gehen wir gemeinsam an.
Dennis:
Für mich war ein ganz wichtiger Punkt eigentlich immer, auch wenn ich als Gast im Goldenen Kreuz war, dieser Punkt Klasse statt Masse. Ich habe bei euch wirklich das Gefühl, ich bekomme Qualität auf den Teller.
Und das war für mich vom ersten Tag an auch so der Punkt, wo ich gesagt habe, das Goldene Kreuz schmeckt nicht nur gut, es passt auch unternehmerisch irgendwie zu unserer Philosophie. Und ich glaube, das ist auch der Grund, weshalb du hier heute mitsitzt. Wir haben Parallelen und Gemeinsamkeiten.
Und das finde ich ganz schön.
Regionale Produkte hattest du gerade schon mal kurz angesprochen. Wie wichtig ist für dich das Thema lokale Identität?
Markus Zimmer:
Immer mehr, weil freilich kriege ich mein Geflügel auch aus Fernost für wenig Geld. Aber das Grundprodukt, was wir hier in der Region haben, ist eigentlich perfekt. Also ob ich das jetzt im Hof beim Metzger kaufe, hier in Coburg, im Coburger Land – der Master Butcher macht meine Rouladen, der schneidet meinen Gulasch, Bratwürste, Sonderwünsche. Wenn ich sage zu dem, ich brauche Bratwürste, wo Kreuzkümmel drin ist, dann macht er mir die auch. Oder er macht mir Wurst aus reinem Rindfleisch, weil man einfach flexibler ist, als wenn ich irgendein Massenprodukt aus der großen Industrie kaufe.
Und so zieht sich das durch jede Schiene, ob das die Eier sind, die vom Bauern kommen. Ich habe das Glück hier, dass ich direkt auf den Marktplatz gehen kann und kann auf dem Marktplatz mein Zeug kaufen, weil alles da ist. Wir haben in der Stadt wirklich alles. Wir haben keinen Supermarkt, aber wir haben alles in der Stadt.
Dennis:
Und das ist schön, das ist mittlerweile Luxus. Das haben nicht mehr viele Städte.
Markus Zimmer:
Richtig. Also gerade Gemüse, Fisch, Fleisch, Eier, ein bisschen zur Blume, was auf dem Tisch stehen muss – es kommt alles vom Markt und das macht einfach auch Spaß, mit denen einkaufen zu gehen.
Dennis:
Das Ganze funktioniert natürlich aber auch immer nur, wenn man auch die entsprechende Community dabei hat. Also ein großes Angebot am Markt alleine würde ja nicht ausreichen. Es müssen ja auch die Leute da sein, die dann auch bereit sind, auf den Markt zu gehen und dort einzukaufen. Wie schätzt du das ein in Coburg?
Markus Zimmer:
Ja, manchmal sind die Leute auch einfach zu bequem, in die Stadt zu fahren, wo nicht gleich der Parkplatz nebenan ist, sondern wo sie ins Parkhaus fahren und dann muss man die Taschen runtertragen, sowas. Und dann ist das Wetter noch schlecht, dann hat man noch eine bessere Ausrede, einfach in den Supermarkt zu gehen. Das hört man auch von den Piraten eben auf dem Marktplatz. Wenn das Wetter schlecht ist, ist gleich Umsatzeinbußen da und das ist eigentlich falsch. Also man kann sich eine Regenjacke anziehen, man kann einen Schirm nehmen und kann trotzdem auf den Markt das Gemüse direkt kaufen und nicht im Supermarkt. Und es ist, man muss es einfach, also diese Wertschätzung, dass die sich jeden Samstag auch da hinstellen, früh um fünf anfangen, die Marktstände aufzubauen, zu bestücken, es attraktiv zu präsentieren und dann zu sagen, naja, heute ist das Wetter schlecht, ich gehe nicht auf den Markt, ist glaube ich der falsche Weg. Man sollte auch bei schlechtem Wetter oder wenn es ein bisschen kälter ist, auch mal auf den Markt gehen. Und Sie haben tolle Produkte, unsere Apfelsaftlieferanten zum Beispiel, der macht halt einen heißen Apfel und dann gibt es einen heißen Apfel im Winter, wenn es ein bisschen kälter ist und dann kann man sich die Hände daran aufwärmen und weiter einkaufen.
Dennis:
Ich glaube, das Stichwort ist genau das, was du gerade gesagt hast: Wertschätzung.
Ich glaube, das ist das, worum es am Ende auch geht. Es müssen immer Leute dort sein, am Markt oder auch allgemein in der Stadt, die bereit sind, was bewegen zu wollen, die ein Angebot erstmal für die Bewohner der Stadt überhaupt möglich machen. Und dann gebe ich dir recht, ist das Thema Wertschätzung natürlich genau das. Wertschätzung gegen die Bequemlichkeit. Wenn sich Leute die Mühe machen, so ein Angebot zu liefern, dass ich das dann halt auch wertschätze als Kunde und dann halt auch mich mal auf den Markt begebe, sehe ich genauso wie du.
Markus Zimmer:
Und dann halt auch, mich mal auf den Markt begebe, sehe ich genauso wie du. Es ist, glaube ich, wirklich im ganzen Innenstadtbereich ist das die Rolle, also auch wenn man den Einzelhandel anschaut. Wenn ich hier in ein Bekleidungsgeschäft reingehe und sehe da was, was einfach schön ist, brauche ich es nicht beim großen Lieferantendienst bestellen, sondern ich nehme da meine Produkte, nehme das mit. Wenn es mir nicht gefällt, kann ich es innerhalb von 14 Tagen jederzeit wieder zurückgeben oder ich sage, okay, ich will einen Gutschein oder, oder, oder. Es ist halt viel flexibler als im Internet.
Taleka:
Wir wollten nochmal kurz darauf eingehen, wie du das Goldene Kreuz übernommen hast und wie du es geschafft hast, deinen persönlichen Touch reinzubringen, nachdem du eigentlich ein bisschen ruhiger treten wolltest.
Markus Zimmer:
Ja, es war eine große Baustelle, sage ich jetzt mal vorsichtig. Ich hatte kein Team oder besser gesagt, die Mitarbeiter, die da waren, die wussten nicht, wer ich bin, was ich bin, was ich vorhabe. Ich hatte dann eine kleine Meckerliste geschrieben, weil ich natürlich auch als Gast schon mal vorher drin war, was mir alles nicht gefällt. Und das ist beim einen oder anderen sauer aufgestoßen. Ich muss aber auch dazu sagen, ich habe immer noch Mitarbeiter, die seit Anfang an mit dabei sind und die diesen Weg mit mir gegangen sind und mich dabei auch unterstützt haben. Und mein Kapital ist mein Team. Alles andere Geld kriege ich von der Bank, wenn ich’s brauche. Aber das Personal oder die Mitarbeiter, das Team ist das A und O in der Gastronomie. Wir sind Dienstleister, wir sind Gastgeber alle miteinander und das ist das allerwichtigste. Und dieses Team habe ich im Laufe der Zeit gut zusammengearbeitet. Seit acht Jahren ist meine Frau mit dabei, die die gute Seele im Haus ist, die sich um jeden und alles kümmert, die der Diplomat im Haus auch ist, die mich auch manchmal wieder runterholt und sagt, hm, das war jetzt zu viel. Red mit deinen Leuten. Und das ist glaube ich das A und O, dieses einfach dieses menschliche Miteinander. Auch ich mache Fehler, auch ich habe Ecken und Kanten, die man probiert rund zu schleifen und ja, das gelingt meiner Frau sehr gut und der eine oder andere Mitarbeiter kann das mittlerweile auch schon.
Dennis:
Markus, wo siehst du denn eigentlich das Goldene Kreuz in fünf Jahren?
Markus Zimmer:
In fünf Jahren habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Ich weiß, dass ich in 9-10 Jahren in Rente gehe. Und so lange möchte ich gerne noch da sein, weil ich möchte, dass das Goldene Kreuz weiterhin die Traditionsgaststätte in Coburg ist. Wir sind das älteste Wirtshaus am Marktplatz. Wir pflegen die Gastronomie, wir pflegen die Herzlichkeit. Ich habe ein super Team, ich habe eine tolle Frau, die mich begleitet bei meiner Arbeit. Und deswegen denke ich, dass das der Weg weiterhin so ist. Weiterhin der Schwerpunkt auf gute Produkte, auf tollen Service, auf freundlichen Service. Und ja, mein alter Spruch heißt immer, der Gast steht im Mittelpunkt unseres Tuns und Machens. Und das wird weiterhin im Kreuz groß geschrieben.
Taleka:
Gibt es denn noch ungelebte Träume, wo du sagst, ach, lass nochmal irgendwie in Verbindung mit der Stadt oder auch für dich selber, für dein Wirtshaus, wo du sagst, dass bevor ich in 9-10 Jahren in Rente gehe, möchte ich dann doch nochmal umsetzen haben.
Markus Zimmer:
Ich glaube, wir sind schon auf einem ganz guten Weg dorthin auch. Einmal mit Zentrum Coburg, das ist sowas, wo wir gemeinsam die Stadt nach vorne bringen können. Wir haben keine Konkurrenz in der Stadt, keiner von uns. Kein Gastronom, kein Einzelhändler. Unsere Konkurrenz liegt in Erfurt, in Bamberg, in Nürnberg, aber nicht in der Stadt. Und das wäre mein Wunschdenken, dass wir gemeinsam große Ziele noch erreichen, dass wir ein Magnet werden für Gastlichkeit, für Freundlichkeit und sind einfach ein Zugpferd in Oberfranken, wo es heißt, nach Coburg muss man hin.
Taleka:
Und ja, auch mehr oder minder über Umwege kennengelernt. Du hast vor einem Jahr oder zwei Jahren, korrigiere mich, wenn ich falsch liege, die Fläche neben deinem Wirtshaus noch dazugenommen als Veranstaltungsraum. Eine der ersten Veranstaltungen war damals mit der Galerie Spee zu einer Kunstausstellung. So haben wir uns ja auch kennengelernt. Was bedeutete denn dieser Schritt von diesem Traditionsgasthaus in einen neuen Veranstaltungssaal?
Markus Zimmer:
Ja, unser neuer Veranstaltungssaal ist natürlich optisch was ganz anderes als jetzt unsere gute alte Wirtshausstube. Es ist halt ein großer Raum, der sehr flexibel nutzbar ist, eben für solche Veranstaltungen und Ausstellungen. Und ja, mit Spez hatten wir damals schon gut zu tun. Dann haben wir gesagt, wir machen da weiter. Und so kam eben die erste Ausstellung mit Enzo Beukert zustande. Und das war ein Mega-Erfolg und ein tolles Event einfach.
Taleka:
Genau, da haben wir uns auch das erste Mal so ein bisschen mehr unterhalten. Genau, hat Marie uns vorgestellt und meinte, na, ihr solltet euch mal unterhalten. Ich habe dir mal eine Visitenkarte in die Hand gedrückt. Und ja, und ich glaube, keine drei Tage später war ich dann noch mal da und dann haben wir mal besprochen, was du dir gerne möchtest, was du dir so vorstellst und was wir so, ja, machen können. Und dann ging es eigentlich fix aufeinander her. Und dann habe ich für uns den Veranstaltungsraum mit meinen Kugeln schmücken dürfen, habe zwei Weihnachtsbäume aufgestellt. Du hattest Kränze organisiert, die wir an deine Decke gehangen haben, die wir noch geschmückt haben. Und gleichzeitig hast du von uns Logo-Kugeln bekommen, die du an deine Stammgäste rausgegeben hast. Wie haben die denn auf so ein weiteres Traditionsprodukt bei dir reagiert?
Markus Zimmer:
Ich lege jetzt eigentlich schon die ganze Zeit, dass meine Stammgäste auch ein kleines Weihnachtsgeschenk kommen. Die halten uns das ganze Jahr, die treuen, die feiern Geburtstag, Hochzeitsfeiern und und und und sind natürlich mindestens auch einmal die Woche bei uns im Haus als Gast. Und auch die haben irgendwo dann wieder ein Geschenk verdient und da kamen eure wunderschönen Glaskugeln genau dazu passend.
Taleka:
Wir haben da beide das perfekte Mass an Zurückgehalt und gleichzeitig aber auch an Unternehmergeist zu sagen, ey, wir haben eine Idee, wir probieren es einfach. Du kommst mit deiner Sekretärinnenbox um die Ecke und ich sage, ich gucke mal, wie ich es umsetze. Ich mache dir einen Vorschlag und sage, ja, passt, gib her, ich gucke mal, was ich damit machen kann. Und ich glaube, da haben wir beide eine sehr, sehr angenehme Art, auch miteinander umzugehen. Also, du gibst mir Möglichkeiten, ich gebe dir Möglichkeiten an die Hand und ich glaube, bis jetzt ist das Produkt, was wir am Ende immer kreiert haben, eigentlich zur beiderseitigen Zufriedenheit geworden.
Markus Zimmer:
Freue mich auf die gemeinsame Zukunft, nämlich, weil wir haben noch so viele Ideen und so viele kreative Möglichkeiten, das Ganze auszubauen und zu spielen. Deswegen wird es eine spannende Zeit.
Taleka:
Es wird verrückt. Es wird bunt, es wird verrückt.
Markus Zimmer:
Dennis wird uns, glaube ich, ein bisschen wieder runterholen und wird uns in die Realität zurückbringen.
Taleka: Oh, JA
Dennis: Unmöglich.
Taleka:
Ich glaube, da ist auch das gesunde Maß an Bodenschwindigkeit, was Dennis dann manchmal mitbringt für uns.
Markus Zimmer:
Zum Glück haben wir so tolle Partner, die uns wieder runterholen.
Dennis:
Ich glaube aber, dass ohne die entsprechende Begeisterung für die Dinge man sich aber auch nicht bewegt. Also deswegen an der Stelle finde ich das genau richtig, was ihr eigentlich macht, nämlich zu sagen, wir wollen möglichst viel bewegen für Coburg, für die Stadt, für die Leute, die hier leben, die hier herkommen, Urlaub machen. Und deswegen will ich da gar nicht den Spielverderber spielen, aber eins nach dem anderen.
Markus Zimmer:
Wir geben uns Muhe. Am Ende gibt es da einen ganz einfachen Spruch zu, nämlich, wer nicht selber brennt, der kann auch bei niemandem anders eine Flamme entzünden. Also von daher, wenn man möchte, dass irgendwie der Funke überspringt, muss man halt selber für die Sache brennen. Und von daher finde ich das toll, was ihr zu zweit euch jedes Mal auskaspert.
Taleka:
Also von daher kann man eigentlich nur jedem ans Herz legen, entweder dauerhaft das Kreuz zu besuchen oder halt, wenn man es noch nicht kennt, auch einfach mal hinzugehen. Markus, wo findet man dich denn genau?
Markus Zimmer:
Genau, also in der Herrengasse 1, direkt am Marktplatz, neben dem Stadthaus. Ganz viele wissen noch ehemaliges Weka-Gebäude, das ist rechts von uns, also unser neuer Saal. Das haben ganz viele noch im Kopf. Es ist sehr schmal, aber es ist riesig.
Taleka:
Auch ich habe nach zwei Jahren noch den Biergarten dann entdeckt. Weil weiter als die Gaststube vorne und den Veranstaltungsraum bin ich nie gekommen. Von daher viel zu entdecken. Wo wir dann auch schon bei dem viel Entdecken sind, erzähl uns doch mal im Veranstaltungsraum. Da hast du ja ein paar Events, ein paar Veranstaltungen geplant jetzt noch bis zum Jahresende.
Markus Zimmer:
Genau. Gestartet mit den ganzen Ausstellungen, was jetzt eben war, in der Vergangenheit, die sehr, sehr gut angenommen worden sind. Als nächstes wird jetzt kommen unser Krimi-Dinner, was ja mal ein anderer Weg auch wieder ist, ein bisschen Show und ein bisschen Spannung und Spaß. Dann werden wir mit euch zusammen natürlich die Veranstaltung machen zur Winterzaubernacht, wo die Kinder ganz herzlich eingeladen sind, natürlich mit Lebkuchenmalen, mit Glaskugeln bemalen und Keramik bemalen. Für die Eltern haben wir auch noch ein kleines Spaßprogramm dabei. Abends
natürlich Nikolausparty. Dann werden wir unser Varieté, was wir im letzten Jahr schon gemacht haben, wieder durchführen, was einfach eine Zeitreise in die 20er Jahre zurück ist. und den Abschluss von dieser Serie wird dann geben unser Musical-Dinner.
Taleka:
Das klingt vielversprechend. Auch auf das Feedback. Wir hatten als letztes Veranstaltung war Jakobs erstes Paint and Wine, wo wir auch wieder mit regionalen Künstlern zusammengearbeitet haben. War auch eine Veranstaltung, wo du sagst, die kann man nochmal machen, oder?
Markus Zimmer:
Die werden wir auf jeden Fall machen. Also die nächste Print in Weinveranstaltung wird es im März dann geben. Mein Mega-Erfolg ist, es war eine ganz, ganz tolle Stimmung. Der Stefan Welch, der künstlerische Leiter unter dem Ganzen, hat das sehr, sehr gut begleitet. Da sind Kunstwerke entstanden, wo ich echt sage, wow! Also wenn man da am Anfang die ersten Pinselstriche oder Farbkleckse sieht und was danach rausgekommen ist. 30 wundervolle Bilder von verschiedenen Künstlern und jedes in seiner Art und Weise auch ausdrucksstark. Und das haben wir gesagt, müssen wir auf jeden Fall machen. Es wird im März der nächste Termin dafür sein und ich habe keinen Zweifel, dass es genauso ein Erfolg wird.
Taleka:
Klingt doch gut. Und ich glaube, damit sind wir dann auch langsam am Ende unserer zweiten Episode.
Dennis:
So langsam, ja. Ich hätte noch tatsächlich eine Frage. Coburg ist ja nicht nur sehenswert für die Leute, die hier leben oder aus der Region kommen, sondern mittlerweile ja auch durchaus so ein kleiner Geheimtipp für so Städtetrips und Wochenendtouristen. Wenn jetzt jemand sich dazu entscheidet, ein Wochenende in Coburg zu verbringen, was würdest du diesen Menschen sagen, was er sich auf jeden Fall mal anschauen sollte? Was sollte er probieren in Coburg?
Markus Zimmer:
Ich wurde wahrscheinlich anfangen freitags reisen die meisten Touristen hier an. Dann muss man als erstes, wenn man es noch schafft, vor 16 Uhr auf dem Marktplatz als erstes die Coburger Bratwurst probieren. Das ist, glaube ich, so das Allererste. Dann natürlich die ganze Innenstadt, Ehrenburg, Feste, raus zur Rosenau, alles, was, ja, ich sage mal, den Coburger Adel ausmacht, sollte man gesehen haben. Kaffee trinken bei der Hofbäckerei Pfeiler, auf jeden Fall ein Schmätzchen auch probieren, wobei man könnte auch im Goldenen Kreuz machen, weil da gibt es zum Schmätzchen den Espresso beim Nachtisch. Ja, und auf jeden Fall eine Stadtführung machen. Also ich habe auch daraus gelernt, in jeder Stadt, wo ich bin, mache ich eine Stadtführung mit, weil man einfach auch Orte oder Plätze sieht, die man so nicht sieht oder nicht wahrnimmt. Und das gehört dazu. Der Rismus ist direkt bei uns nebenan, mehr oder weniger. Da kann man sich dann auch hinstellen und sagen, ich mache jetzt hier eine Stadtführung mit. Das ist das Wichtigste. Und zum Abschluss sollte man natürlich dann bei euch noch eine schöne Weihnachtsvogel kaufen.
Dennis:
Das finde ich gut. Das können wir so machen. Gehe ich mit.
Taleka:
Gibt es denn für dich etwas? Hast du im Goldenen Kreuz traditionell fließt ein Event, eine Veranstaltung mit deinen Gästen oder auch nur mit deinen Mitarbeitern oder etwas, was du mit deiner Frau zum Beispiel hast, so ein Ritual ist, ohne dass ihr nicht in ein neues Jahr zum Beispiel zu Silvester starten könnt.
Markus Zimmer:
Die Tradition leben wir eigentlich das ganze Jahr über. Also was das Haus betrifft, was die Gastronomie und die Gastlichkeit betrifft, das leben wir das ganze Jahr. Wenn wir jetzt hier sitzen, dann sage ich, Weihnachten steht vor der Tür, aber nein, wir sind ja schon wieder weiter. Wir haben die Anfragen für Pfingsten, wir haben die Anfragen für Hochzeitsfeiern nächstes Jahr. Bei uns ist es ein fließender Übergang. Es ist bei uns kein Ende am 31.12. Es geht einfach weiter. Traditionen, ja, die muss man pflegen und die Tradition geht damit los, dass der Servicemitarbeiter früh um 10 in die Küche kommt und fragt die Küche, was wollt ihr denn trinken? Und das gehört dazu, dieses Miteinander. Genauso fragt dann um 14 Uhr die Küche, was mögt ihr denn essen? Und dieses Miteinander, das ist, glaube ich, das Allerwichtigste. Und wenn das irgendwann nicht mehr funktioniert, dann haben wir was falsch gemacht.
Taleka:
Und das ist, glaube ich, auch was, was man als Mensch, der zu euch kommt oder auch als Tourist, als Gast prinzipiell auch ganz, ganz oft vergessen wird, was als Servicemitarbeiter geleistet wird. Also ihr habt ja wirklich die unterschiedlichsten Menschen, ihr habt die unterschiedlichsten Charakteren, ihr habt die unterschiedlichsten Stimmungen, die ihr auffangen müsst.
Markus Zimmer:
Unser Job ist hart. Auch mit unseren Gästen, die kommen manchmal rein und haben einen Befehlston drauf, einen herabwürdigenden Ton, ja, aber man muss auch dran denken, die sind gestresst. Mein Lieblingsbeispiel ist immer der Samstagmittag. Die Familie fährt in die Stadt, weil die Frau gerne neue Klamotten kaufen möchte, vielleicht auch für die Kinder, oder sie braucht das und das und das. Alle müssen mit. So, die Kinder fangen schon im Auto das Klängeln an, wann sind wir endlich da? Wann gibt es was zum Essen? Wo gibt es was zum Essen? Der Mann hat eh keinen Bock, möchte am liebsten irgendwo hin, vielleicht ein Bierchen trinken und dann kommen sie zu uns rein. In der Hoffnung, dass noch ein Platz frei ist. Wenn keiner Platz frei ist, dann ist natürlich noch mehr dicke Luft im Haus. Und dann kommen die und sind erstmal alle geladen und genervt. Und dann muss man die Gäste abholen und sagen, so, jetzt trinken wir erstmal was in Ruhe, dann gibt es ein paar glückliche, fitte Kinder, die gehen relativ schnell immer und dann hat man ein schönes Mittagessen gehabt und geht entspannt wieder nach Hause. Und ja, das ist so typisch Samstagmittag, einfach alles nur stressig und sie kommen zu uns rein, um vom Alltag einfach ein bisschen Abstand zu kriegen. Dieser ganze Trubel, was die ganze Woche ist, sollte man vielleicht auch mal draußen lassen.
Taleka:
Ich finde das merkt man auch Sobald man eigentlich bei euch zur Tür reinkommt, wenn man dann doch mal den einen oder anderen Koch noch irgendwie hinten ins Kühlhaus flitzen sieht oder der in den großen Saal noch Sachen reintragen muss, es wird gegrüßt, es ist immer ein Lächeln im Gesicht. Selbst in stressigsten Situationen hat man das Gefühl, dass ihr als Team wirklich wunderbar funktioniert und harmoniert und man fühlt sich irgendwie trotzdem immer Teil des Teams. Also es ist nicht so, dass man das Gefühl hat, hinzugehen und setzt sich hin und wird nur von A bis Z bedient. Das ist natürlich auch euer Job, aber man hat immer so das Gefühl, diese Leichtigkeit. Man ist irgendwie Teil des Teams, man ist irgendwie, man gehört so dazu. Man ist nicht nur der
Gast, der bedient werden muss. Und das ist wirklich ein sehr, sehr schönes Ambiente, was man eigentlich erlebt haben muss.
Markus Zimmer:
Das gebe ich gerne auch so weiter.
Taleka:
Es ist entschleunigend, es hat super viel zu bieten, aber es ist trotzdem halt so ein Schäckchen Ruhe, so Gemütlichkeit. Auch der Wochenmarkt, wenn er gut besucht ist, an einem schönen Sommertag, es ist trotzdem jedes Mal wie Urlaub. Also so empfinde ich das, auch nach all der Zeit, die ich jetzt hier bin, zwei und drei bis drei Jahre, ist das Ruhrgebiet trotzdem eine entschleunigt.
Markus Zimmer:
Muss ich dir recht geben.Das ist mal nach zehn Jahren, dass ich mich am Samstag Nachmittag um 15 Uhr auf dem Marktplatz gesetzt habe und habe mit meiner Frau zusammen einen Kaffee getrunken und habe einfach die Stimmung genossen und die Sonne natürlich nochmal ins Gesicht brennen lassen. Ja, nach zehn Jahren habe ich es auch mal geschafft. Es ist einfach wunderschön.
Dennis:
Ja, an der Stelle sag ich vielen lieben Dank, Markus.
Markus Zimmer:
Ich sage danke daran, dass er durfte.
Taleka:
Vielen lieben Dank.
Das war Episode 2 von Glasklar mit Markus Zimmer vom goldenen Kreuz. Wenn ihr die Kuburger Rutscher probieren wollt, hier ist jetzt. In der nächsten Folge geht es weiter mit spannenden Geschichten aus Coburg. Bis bald.
