Folge 1: Die Anfänge – wer wir sind & warum wir hier sitzen.

In Episode 1 – Sprechen wir mit Markus Klante von Crushed Eyes Media darüber, wie wir auf Idee kamen diesen Podcast zu machen und was uns bewegt hat, im September 2025 ein Geschäft für Christbaumschmuck in Coburg zu eröffnen.

Transkript

Herzlich willkommen bei Glasklar, dem Podcast von Glaswunder. Hier sprechen Dennis und Taleka über Tradition, Handwerk und die Menschen, die beides am Leben halten. In Episode eins: Die Anfänge. Wer wir sind? Warum wir hier sitzen und wie aus einer Kinderbegegnung im Brauhaus eine gemeinsame Geschichte wurde.

Taleka
Herzlich willkommen im Glasklar Podcast von Glaswunder. Wir sprechen heute in Episode eins über das Thema: Die Anfänge. Wer sind wir eigentlich? Warum sitzen wir heute hier? Und unser Gast heute ist Markus Klante von Crushed Ice Media. Dennis Feliz, Gründer und auch Inhaber und Geschäftsführer von der Seofux GmbH und ja Initiator von Glaswunder und meiner Wenigkeit, Taleka Filiz, Ehefrau und auch Inhaberin und Mitbegründerin von Glaswunder. Dann würde ich sagen, fangen wir einmal an und starten mit Markus. Markus, stell dich doch bitte einmal kurz vor. Was machst du? Wo kommst du her? Und …

Markus
Fangen wir an. Wo komme ich her? Ich komme aus dem Rheinland. Hab dann studiert in Ilmenau, was wiederum gar nicht so weit weg ist von Coburg. Habe auch Coburg dadurch immer sehr oft gesehen, wenn wir Richtung Süden gefahren sind von Ilmenau aus. Habe dann noch lange Zeit in Freising gelebt und bin über Freising und Orte drumherum auf einmal in Coburg gelandet. Ich habe Medientechnologie studiert, Schwerpunkt Medienproduktion, habe dann eine Zeit lang in der Online-Kommunikation bzw. PR gearbeitet. Und dann habe ich einen etwas unglücklichen Zeitpunkt gewählt, mein Studium zu beenden. Hat dann eine Zeit lang nicht so richtig geklappt und dann habe ich mir gedacht, weißt du was, eigentlich wollte ich eh immer selbstständig sein. Habe dann jemanden gefunden, der das auch sein wollte und dann haben wir die erste Firma gegründet. Und dann habe ich zwei Jahre später bin ich dann halt als erstmal Einzelunternehmer losgezogen und bin dann 2017, meine Projekte hatten sich vergrößert, bin ich dann mit Crushed Ice in Verbindung gekommen. Ja, die haben mir gesagt, du hast interessante Kunden, möchtest du nicht zu uns kommen? Ich habe gesagt, ja, ich kann die eh nicht mehr alleine bearbeiten. Ich komme gerne zu euch und bin jetzt dann seit 2017 Teil und Gesellschafter von Crushed Ice Media.

Taleka
Also auch ein sehr aufregender…

Markus
Ja, bin ein bisschen rumgekommen.

Taleka
Ja, also sowohl wohnort technisch als auch im unternehmerischen Dasein. Wie ist es denn dazu gekommen, dass Coburg für dich und deine Familie zum Lebensmittelpunkt wurde?

Markus
Meine Frau kommt aus Coburg. Wie wir uns kennengelernt haben, war das aber im Süden mehr von Deutschland, genauer genommen in Zolling, im Ortsteil Angerberg. Und nach einiger Zeit haben wir festgestellt, dass wenn sich das Ganze so weiterentwickelt, brauchen wir eben mehr Platz. Der Münchner Speckgürtel bot sich irgendwie nicht so richtig an und es gab halt das leere Elternhaus. Und ja, ich glaube, Ende 2017 haben wir das erste Mal gesagt, ja, ich meine, war vielleicht der ein oder andere Glühwein mehr drin, so, aber warum machen wir das nicht? Dann haben wir uns dann Anfang 2018 sehr intensivst mal damit beschäftigt und dann haben wir auf einmal das Elternhaus von Julia gekauft und renoviert und sind dann seit 2019 hier in Coburg. Das sind jetzt auch schon wieder sechs Jahre.

Taleka
Wenn ihr sagt, ihr habt renoviert, dann hast du ja auch so ein bisschen neben deiner Produktionsarbeit, die du beruflich machst, auch bestimmt handwerklich so ein bisschen Geschick. Was uns ja auch so ein bisschen dazu bringt, dich mal zu fragen, wie du die Faszination für kleine lokale Geschäfte hier in Coburg definierst.

Markus
Ich würde das umformulieren. Die kleineren Läden an sich sind jetzt gar nicht das, was mich so fasziniert. Meistens ist es wirklich, wenn das, was sie machen. Ich habe relativ früh festgestellt, dass ich einen gewissen Fable habe für, Geschichtenerzählen. Und das Geschichtenerzählen fand ich schon immer ganz cool. Und, meine erste große Geschichte, die dann auch geklappt hat als Selbstständiger, war, dass ich den einen Mitarbeiter des Historischen Instituts von Siemens kennengelernt habe. Und der wollte damals auch immer die Geschichten erzählen: Wie kam es überhaupt dazu? Wie ist Siemens entstanden? Wer waren diese
Menschen dahinter? Und so haben wir halt das war eins der ersten Projekte, da haben wir, unseren Moderator ausgestattet mit einem Riesenmikrofon, sind quer durch Deutschland gefahren, haben in Hannover angefangen, sind irgendwann an die Ostsee gefahren, von dort dann wieder nach Berlin und haben so ein bisschen so die ersten, da haben wir die Kindheitsgeschichte von Werner von Siemens immer abgefahren.

Taleka – Wow.

Markus
Ja, mit, wo sie das, wo sie groß geworden sind, den Pächter haben wir dort interviewt, weil da gibt es so… Dann waren wir in der Grundschule, wo er gewesen sein soll, wo wir dann halt mit einer Rektorin geredet haben und sind dann halt in Berlin gelandet, wo es dann halt in der Siemensstadt die ersten Sachen gab. Und diese Geschichten, die habe ich mit dem Florian, viel öfter noch erzählt. Wir sind auch mal nur– haben eine Geschichte über den, damaligen Partner von Siemens gemacht, den Halske. Dann sind wir Wir sind einmal quer durch die Welt geflogen, waren in Südafrika, Brasilien und Mexiko und haben die ersten Projekte von Siemens dort, versucht zu finden. Und dieses da auch. Es ging halt immer auch um das Handwerk, ne.

Ab in die Werkstatt. Was hat er eigentlich als allererstes gemacht? Und das finde ich, ist immer irgendwie das, was dann… Diese Geschichten finde ich cool, auch hier, Glasblauen. Wir sind, was ich vorher gar nicht wusste, in einer Region und einer Stadt, die selber eine anscheinend sehr lange Geschichte hat mit Glas. Ja, und dann kommt ihr jetzt hierher und sagt: „Ja, wir machen mal einen Laden auf.“ Wir verkaufen jetzt ganzjährig Weihnachtskugeln. Mal gucken. So ungefähr, ja. Und dann, ja, in der ersten Idee hatten wir ja noch ein bisschen anders drüber nachgedacht, wie dieser Podcast aussehen könnte. Dann kamst du ja mit deiner … Also Dennis, ne, ihr könnt das ja nicht sehen. Kam der Dennis dann mit so einer Liste, so: „Hier haben wir mit ein paar Leuten gesprochen, die wären jetzt alle so irgendwie dabei, so.

Dann habe ich auch wieder darüber nachgedacht. Eigentlich ist es nämlich jetzt lustig und jetzt kommt der Clou an der Geschichte: Wir fragen mehr oder minder Coburger und wir sind die Zugezogenen. Das heißt, ich lerne schon wieder Geschichte oder Geschichten über eine Stadt, in der ich ja jetzt erst seit sechs Jahren lebe. Und da dachte ich mir, das ist doch ein guter Aufhänger, dass hier so drei Zugezogene von Coburgern mal aufgeklärt werden: Was macht Coburg eigentlich vielleicht aus? Was lernen wir hier noch und was, was erfahren wir von Leuten, die vielleicht länger schon hier leben? Ja, nicht jeder ist ein Coburger, das müssten wir dann auch noch mal rauskriegen. Aber die länger hier leben, die versuchen auch ihren – wie sagt man so – ihren Footprint in der Stadt zu hinterlassen, so ihren Namen irgendwo, in eine Chronik reinzubringen, wo du dann auch denkst so: „Hm, gut. Ja, vielleicht ist uns das dann auch mal irgendwann vergönnt.

Taleka
Dann würde ich mal rüberspringen zu meinem Mann, dass du dich vielleicht auch einmal kurz vorstellst: Wo kommst du her und warum sitzt du eigentlich heute hier?

Dennis
Ja, warum sitze ich heute hier? Markus kam auf die Idee zu sagen: „Mensch, ihr habt doch jetzt so einen tollen Laden aufgemacht. ich erzähl gerne Geschichten. Lass uns doch einen Podcast machen.“ Und, ich fand die Idee vom ersten Tag an irgendwie total super und dachte mir: „Ja, wir haben auch ein bisschen was zu erzählen, nämlich zum einen über das Handwerk an sich, was, wie Markus ja gerade schon gesagt hat, ’ne Historie hat hier in der Region und zum anderen halt auch über die Stadt an sich.Und deswegen auch der Gedanke, durchaus ähm unsere Nachbarn hier im direkten Umkreis auch in diesen Podcast mit einzubeziehen.Und hab zwei, drei Telefonate geführt und bin auch offene Türen eingerannt, also sowohl bei Markus Zimmer als auch beim Paul ah Heller von der Galerie Spät oder bei den Stadtmachern, die von der Idee begeistert waren.Und dann haben wir gesagt: „Komm, dann setzen wir uns jetzt einfach mal hin und machen das.“ Und deswegen sitzen wir jetzt hier.

Taleka
Erzähl uns doch mal ein bisschen was so über dich, über deinen persönlichen Werdegang. Markus hatte ja schon erzählt, wir sind drei Zugezogene. Wo kommst du denn her?

Dennis
Ja, ich komme aus Berlin, genauso wie du. Wir beide sind ja geboren in Berlin, haben uns dort kennengelernt und haben uns 2023 ja erst entschieden, nach Coburg zu gehen. Thema Christbaumschmuck kam eigentlich mal über so kleines Kundenprojekt, wo ich einfach erst mal nur den Webshop gebaut habe für zustande. Und irgendwie hat mich dieses ganze Thema handgefertigter Christbaumschmuck aber nicht mehr losgelassen. Und dann kam irgendwann 2022 so die Idee: Warum nicht eigentlich eine kleine eigene Marke auflegen, die sich auch wieder ganz bewusst auf das regionale Handwerk beschränkt. Wir kommen da später noch zu im Detail, warum, wieso, weshalb. Ja, und dann haben wir 2022 ja gemeinsam schon gesagt: „Ach komm, wir machen so einen kleinen Popup-Store einfach mal auf. Ah Onlinehandel, das konnten wir, aber wir wollten ja auch mal schauen, was so als lokales Geschäft funktioniert und hatten uns 2022 entschieden, zusammen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion das Büro umzubauen. Kannst dich dran erinnern?

Taleka
Oh ja, oh ja. Also wobei, ähm um meine Hintergründe kurz zu beleuchten: Ähm, ich bin

eigentlich gelernte Steuerfachangestellte, hab 2013 meine Ausbildung angefangen, die ’15 abgeschlossen und habe ’22 dann den Ausstieg aus der Branche geschafft. Bin ’22 ähm zu Dennis mit in die Firma eingestiegen, wo ich dann auch gleich den Hut aufbekommen habe, so zum Thema Glawunder mit Kreativ sein. Und in dieser Nacht-und-Nebel-Aktion hab ich gesagt: „Wir haben jetzt ’n knappes Jahr an Glawunder gearbeitet und online der Shop steht. Und das ist auch ganz cool, aber was hältst du denn davon, wenn wir die Bürofläche in Reinickendorf einfach mal umbauen? Und ich hab dann auch relativ schnell ein gutes Konzept gehabt, wo du nur die Hände überm Kopf zusammengeschlagen hast du gesagt: „Die Frau ist verrückt.“ Ich bin dann in den Tegeler Forst, hab mit dem Förster gesprochen und durfte mir dann da Moos mobsen, hab Äste in den Laden geschleppt und habe diese gesamte Bürofläche von knapp hundert Quadratmetern in eine kleine, ja, Waldwinterlandschaft verwickelt. Und da war so das erste Mal, dass wir die Möglichkeit hatten, das, was wir online schon präsentiert haben, auch mal in Anführungsstrichen der breiten Masse zugänglich zu machen und zu sagen: „Das ist deutscher Christbaumschmuck und das ist das, woran wir jetzt ein Jahr lang gearbeitet haben und haben da die Türen das erste Mal auch so geöffnet, um den Leuten die Möglichkeit zu geben, das auch mal anzufassen, weil aus dem Onlinehandel heraus bestellst du deine Ware, weißt nicht, wie es sich anfühlt, weißt nicht genau, wie es aussieht und war eigentlich eine-Witzige Aktion, dass wir aus einem Wochenende gleich einen Pop up Store zwei Punkt null zwei Wochen später noch mal gemacht haben , weil auch die Nachfrage ja sehr groß dann war und die Leute dann doch enttäuscht waren, als wir am Sonntag geschlossen und am Montag Bürofläche wieder da waren, gesagt haben: „Aber hier war doch was.“ Und von daher, ja, du hattest immer schon das Motto: Klasse statt Masse. Das bedeutet dir ja sehr viel.

Markus – Richtig.

Taleka
Versuch uns doch mal da so ein bisschen mitzunehmen.

Dennis
Ja, ich sage immer, der Begriff an sich Klasse statt Masse sagt es ja schon. Ich war irgendwann, so nachdem man dann Jahre im Onlinehandel verbracht hat, und es eigentlich nur noch darum geht, irgendwie bis auf den letzten Cent im Einkauf zu feilschen und knallharten Preiskampf zu machen, die billigsten Waren für möglichst viel Marge auf den großen Marktplätzen anzubieten. Da hatte ich irgendwann einfach keine Lust mehr drauf. Für mich war das einfach nur noch so dieses, man man schiebt Ware von A nach B, die aber keinen emotionalen Wert irgendwie haben. Und da wollte ich weg von und, hab dann gesagt: Nein, das die eigentlich, dieses traditionelle

Christbaumschmuckhandwerk, da steckt Geschichte hinter. Da steckt so viel Geschichte hinter, dass es für uns Sinn macht, darüber einen Podcast zu machen.

und dass es aber auch ein Kulturgut ist, was es zu zu schützen gilt irgendwo und ich auch keine Lust mehr darauf habe, irgendwie mit einem ganz kleinen Bruchteil von Marge Container ah zu bewegen, sondern lieber zu sagen, ich verkaufe dann halt nur eine Handvoll Christbaumkugeln, aber die dann halt vernünftig und mit mit der richtigen Einstellung dahinter. Und ja, das war mehr oder weniger auch das, wo wir dann gesagt haben, wir ah gründen deshalb Glashunder.

Markus
Damit haben wir jetzt zumindest mal geklärt, warum wir den Laden haben und warum wir jetzt Podcast machen. Was wir jetzt noch gar nicht geklärt haben, ist, warum kennen wir uns eigentlich?

Dennis – Richtig.

Markus
Und damit kämen wir jetzt schon wieder zum Punkt.Vielleicht können wir es doch einbauen, was vorhin passiert ist, weil dass wir uns kennen, liegt nicht an uns.

Taleka – Genau

Dennis
Stimmt, wir haben uns nämlich kennengelernt über unsere Kinder.

Taleka
Als wir ’23 hierhergezogen sind, haben wir mit Besuch uns damals im Brauhaus zum Stadel niedergelassen. Das war mit meiner Mutter, mit meinem Stiefvater und mit Hanna. Und Hanna als Einzelkind war halt äußerst gelangweilt, wenn Oma und Opa und Mama und Papa da sitzen und nur quatschen. Und da hat sie am Nachbartisch zwei Kinder gesehen und dann guckte sie uns an und hat gefragt, ob sie denn nicht mal hingehen kann und die beiden fragen kann, ob sie denn nicht mit denen spielen kann. Und ja kurzum, die drei haben sich super verstanden, dass als es dann, als wir dann Hanna zu uns gerufen haben, weil wir gehen wollten, ah Jonathan und Hanna uns mit großen Rehaugen angeschaut haben und gesagt haben: „Also die Hanna hat erzählt, ihr wohnt jetzt in Coburg und wir können uns gut leiden und wir wollen uns gerne wiedersehen. Ihr müsst jetzt zu meiner Mama gehen und dann müsst ihr Handynummern austauschen.“ Und das war ja in einer Situation, die für euch auch grade etwas turbulent war, so kurz vor eurer Eheschließung. Und da wir dann zu euch

an den Tisch gegangen sind und gesagt haben, es kommt jetzt vielleicht ein bisschen komisch, aber unsere Kinder wollen sich gerne wiedersehen.

Dennis
Ich erinnere mich gut an den ersten Blick, den ich von dir kassiert habe. So: „Was will der Typ von mir?“ Bis ich dann erklärt habe, nein, ich bin der Papa von dem Kind, mit dem dein Kind gerade schon seit einer Stunde spielt.

Markus
Genau und wir sind jetzt sehr gerne …Ihr habt aber auch gedacht, ihr seid, ihr werdet oder seid ihr da schon hergezogen?

Taleka
Wir sind schon hergezogen.Das war das erste Wochenende, ja wo wo wir nach unserem Umzug hier waren, ja

Markus
Genau, ihr müsst euch dann eh auch noch ein bisschen zurechtfinden und dann…Ja, dann heiratet ihr mal. Ihr findet euch mal ein Packt mal den letzten Koffer aus und dann können wir mal gucken, dass die Kinder sich wiedersehen

Taleka
Und das hat, das hat eigentlich ah ja super funktioniert. Ich meine, das sind jetzt auch schon fast zwei Jahre, ne, die wir ah uns ah auch so sehr viel sehen. Und ich kann mich noch dran erinnern, als wir dann erzählt haben, so nach den ersten ein, zwei Treffen, so was jeder so beruflich macht. Und wir ja, wir haben neben unserer Onlinemarketingfirma ja noch unser Projekt Glashunder, wo wir halt mundgeblasenen und handbemalten Christbaumschmuck aus dem Thüringer Raum anbieten. Als wir dann auch noch Anfang des Jahres fünfundzwanzig dann um die Ecke kamen mit: „Ach ja, wir haben da jetzt so ein neues Projekt. Wir mieten da die Fläche im Stadthaus , war Markus so: „Oh, da gibt’s eine Geschichte zu erzählen.“ Wir könnten ja mal. Und ich glaube, das war eigentlich so der Moment, wo wir halt auch festgestellt haben, wir verstehen uns privat sehr gut. Wir haben irgendwie wieder eine Geschichte zu erzählen, was einfach auch so interessant ist, glaube ich. Ich weiß nicht, ob du mit Christbaumschmuck und so Glasdesign vorher schon mal groß in Berührung gekommen bist und mit der Entstehungshistorie und so?

Markus
Nein. Da, wo ich herkomme, Hennef, ist die Eifel nicht weit.In der Eifel ist Monschau.

Da gibt es so eine Glasbläsergeschichte, wo du dann halt auch hin, eine, hier am Ofen zugucken kannst, wie er es macht. Deswegen Glasbläserei hatte ich vorher schon gesehen. Gibt’s, also die Eifel kann das auch.

Taleka
Wobei ja Lauscha nun als Geburtsstunde des Christbaumschmucks ja so deklarieret wird. Also das darf man ja auch nicht unterschätzen, nur hattest du es vorhin kurz angesprochen, Dennis, dass es ein Kulturgut ist, was es zu schützen gilt. Da kann man auch mal anbringen, dass es ein immaterielles Kulturerbe Deutschlands ist, was von der UNESCO geschützt wird.

Die UNESCO ist da auch dran, das auch zum weltweiten Kulturgut erklären zu lassen, weil es die Geburtsstunde eben in Lauscha und um Lauscha herum gegeben hat. Auch wir beziehen unsere Ware ja eigentlich nur aus Lauscha und, den kleinen Ortschaften um Lauscha herum, sind da auch wieder sehr regional, sind, auch da in der glücklichen Position, dass wir wissen, wo unsere Glaswaren produziert werden, dass wir in die Werkstätten reingehen können, dass wir, einen Großteil unserer Malerinnen und auch Glasbläser wirklich, kennen und die Möglichkeit haben, individuell für uns Dinge anzupassen, kurzfristig, Projekte verwirklichen können und, auch einfach das Handwerk fördern können, weshalb dieser Podcast und der Glaswunder Store, in dem wir uns jetzt auch gerade befinden, eigentlich ein, ja, kleiner, kleiner Schlenker ist von einer Bürofläche in Berlin mit einem Pop-up-Store zu einem ersten lokalen Geschäft am Markt in Coburg.

Dennis
Und der Weg dahin zu diesem Geschäft war auch gar nicht so einfach. Also vor allem auch erst mal die passenden Glasbläser zu finden in Lauscha und Umgebung, war gar nicht so einfach. Also, da hab ich mir mal ein Wochenende Zeit genommen und, bin mal zwei, drei Tage lang, in Lauscha und Umgebung alle Glasbläser abgefahren und hab einfach überall mal an der Tür geklopft und hab gesagt: „Hallo, ich bin der Dennis. Ich habe vom Glasblasen gar keine Ahnung. Ich betreibe einen Webshop und ich möchte gerne Christbaumschmuck bei euch einkaufen.“ Und dann hab ich ganz schön viele schiefe Blicke geerntet.

Taleka
Hä?Ich kann mich an dein frustriertes Gesicht nach dem Wochenende echt gut erinnern.

Dennis
Ja, war gar nicht, so einfach, dort überhaupt erst mal, anzukommen, weil man doch Einkäufern gegenüber sehr vorsichtig war. Das hat auch einen Hintergrund. Da ist, in den Neunzigern und der 2000er, Anfang der 2000er, viel halt von den großen Kaufhäusern eingekauft worden. Einkäufer waren so verschrien, das was ich vorhin schon kurz angedeutet habe, so drücken bis auf den letzten Cent. Und so bin ich mehr oder weniger auch erst mal, empfangen worden. Man hat mich erst mal so gemustert und geguckt: Mal gucken, was der Typ hier will. Am Ende haben wir Gott sei Dank viele, viele nette Glasbläserfamilien, dann gefunden. Das war aber auch ein langer Weg. Man musste da ein bisschen Eis brechen, die mittlerweile mit uns in einer supertollen Zusammen, arbeit, arbeiten. Und am Ende dieser Tour, stand ich eigentlich noch da und war ziemlich frustriert, weil, zu dem Zeitpunkt eigentlich nicht so richtig gleich jemand bereit war, meine Begeisterung zu teilen und zu sagen: „Ha, hier, wir wollen für dich produzieren. Mit einer Ausnahme. Der Markus, Scheffler, der hat, mir damals die Tür aufgemacht und gesagt, er findet die Idee und das Projekt super und es ist genau der richtige Weg zu sagen, nicht mehr auch in Deutschland und in der ganzen Region nicht mehr so viel auf Massenproduktion zu gehen, sondern eher dieses Thema Klasse statt Masse hervorzuheben.Und mit dem haben wir dann auch zwei Jahre supergut zusammengearbeitet. Das hat super toll funktioniert. Und haben dann Anfang des Jahres weiter ausgebaut auch mit weiteren Glasbläsern dann zusammenzuarbeiten. Und da kam er vor allem das ist ja am Ende gar nicht so auf, auf meinem Mist gewachsen. Das war ja eher dein Erfolg dann, dass du dort mit deiner Runde in Lauscha, dann viel, viel mehr offene Türen eingerannt hast als ich damals

Taleka
Ja, seit zwei Jahren besuchen wir hier diesen wunderschönen kleinen Weihnachtsmarkt in Coburg und ich selber bin immer so ein Mensch, wenn ich irgendwo hinfahre oder wenn ich Besuch habe, man nimmt immer so was kleines Regionales mit. Und auf dem Weihnachtsmarkt bin ich jetzt nicht der Mensch, der Tassen sammelt. Ich kenn ganz, ganz viele, die von jedem Weihnachtsmarkt sich eine Tasse mitnehmen. Ich gehöre nicht dazu. Ich suche immer nach so anderen kleinen Dingen und habe festgestellt, Coburg hat keinen Christbaumschmuck, obwohl ja Coburg eine Region ist, die viel schon mit Glas und Christbaumschmuck auch zu tun hat. Aber es gibt jetzt nicht das

It-Piece, was du aufm Weihnachtsmarkt kriegst und hatte Anfang des Jahres dann einfach mal eine E-Mail an unseren Oberbürgermeister geschrieben mit der Bitte ein Gespräch, weil ich mir dachte, na ja, meine neue Wahlheimat Coburg. Ich möchte irgendwie, ich fühle mich hier so wohl, ich möchte der Stadt was zurückgeben. Vielleicht kann man das ja in Verbindung mit der Stadt machen. Hab selber aber auch noch nie mit einer Stadt zusammengearbeitet und war eigentlich nur da, um mal so abzuklären: Was muss ich berücksichtigen? Darf ich alles auf so eine Kugel machen oder gibt’s da Einschränkungen? Und hatte da einfach mal um den Termin gebeten und habe im Rathaus dann Kann ich den Termin bekommen, mit einem sehr lehrreichen Plan, auch was man zum Beispiel machen darf und was nicht. Also man darf zum Beispiel nicht einfach alles drucken, einiges ist unter Schutz. Und dann kam auch so die Idee für den Glaswunderladen, so das erste Mal und dann hieß es aber, naja, wenn ich so einen Glaswunderladen mache, dann muss ich ja auch irgendwie schauen, dass ich Ware rankriege. Und wir hatten Anfang des Jahres dann auch die Hiobsbotschaft, dass unser damaliger Produzent leider Insolvenz anmelden musste und wir halt auch dieses Problem hatten, wir brauchen, wenn wir Glaswunder weiter betreiben wollen, Produzenten. Und gerade mit dem Gedanken im Hinterkopf, man möchte auch eine Ladenfläche aufmachen ohne Ware, ist das auch ein bisschen schlecht. Und dann bin ich nochmal hochgefahren nach Lauscha, hatte vorher noch mal ein paar Telefonate geführt und habe gesagt, hey, wie schaut es denn aus? Und hatte da dann tatsächlich das Glück, vielleicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und vielleicht auch so ein bisschen den Großstadtcharme zu machen. Ich weiß noch, dass ich bei einem meiner Glasbläser, ja so vielleicht ein bisschen overdressed ankam mit hohen Schuhen und Businesskleidchen und Blazer und Schal da in diese Hütte reinmarschiert bin und dann aber auch gesagt habe, du, das ist dein Zuhause, deine Werkstatt. Ich habe jetzt nicht erwartet, dass du mir im Anzug gegenüber sitzt, sondern ich bin vollkommen fein, dass du hier in deiner Arbeitskleidung sitzt, dass der Brenner hier vor sich hin flammt, dass es ein bisschen nach Farbe und auch nach Ruß stinkt, bin ich vollkommen fein.

Und so haben sich dann die Gespräche tatsächlich ergeben. Und was ich auch festgestellt habe, viel über Empfehlung. Und der Michael Haberland ist auch ein Mensch, der mir persönlich sehr, sehr viel auch Empfehlungen ausgeschrieben hat und gesagt hat, ey, wenn du noch was brauchst, dann geh doch mal zu denen oder geh doch mal hierhin oder ich kenne da jemanden, der könnte vielleicht auch passen. Und so führt man dann halt kleine Gespräche mit unterschiedlichsten Glasbläsern. Und ich glaube, so langsam verwirklicht sich so zu einem riesen Projekt und zu ganz viel neuem, was wir mal strukturieren und durchsprechen müssen

Markus
Wir haben jetzt ja festgestellt, Lauscha ist Geburtsort von Weihnachtskugeln. Aber was war jetzt trotzdem das besondere jetzt trotzdem zu sagen, okay, wir wollen es nur mit Lauschakugeln machen, sozusagen. Ich meine, es gibt ja wenig Alternative. Also es gäbe ja wahrscheinlich auch Alternativen, aber wir hatten es ja schon, keine Masse, mehr Klasse. Aber genau, warum Lauscha?

Dennis
Also Lauscha vor allem, es ist die Ecke.

Markus – Ich finde, gutes Argument, genau.

Dennis
Kurze Wege sind immer gut, aber eben halt auch, weil es die Geburtsstätte des Christbaumschmuckes ist, war für mich Lauscha da die erste Anlaufstelle überhaupt. Man findet dort oben ganz ganz viele Menschen, die mit diesem ganzen Thema Glas und auch ganz ganz viele Betriebe, die mit diesem Thema Glas umgehen. Das ist dort der Dreh- und Angelpunkt des Seins, will ich mal fast sagen. Und ich habe festgestellt, auf meinen Reisen nach Lauscha und auch in den Gesprächen mit Händlern oder Glasbläsern aus anderen Regionen Deutschlands oder auch Europa, dass es doch schon noch mal was anderes ist. Das ist so die Frage der Philosophie dahinter. In Lauscha habe ich das Gefühl, dass dieses Handwerk tatsächlich gelebt wird. Und das war für mich der ausschlaggebende Punkt, zu sagen, ja, das ist auch die richtige Philosophie, die ich mit dieser Marke Glaswunde auch gerne vertreten möchte, nämlich dieses Handwerk zu leben und es eben nicht darauf ankommt, möglichst viel an Ware zu produzieren, sondern möglichst schön Ware zu produzieren. Und Ja, das war eigentlich so der Grund, warum Lauscha.

Markus
Und wie habt ihr es dann hingekriegt, denen also Tradition ist ja das eine. Natürlich gibt es die klassische Christbaumkugel und viele wollen auch genau diese Tradition an ihrem Baum sehen. Trotzdem muss man ja auch gucken, es gibt auch jüngere Menschen. Wie bringt man diesen wirklich, sagen wir mal, wahrscheinlich auch sehr alteingesessenen, auch sehr fest in ihrer Tradition drin, trotzdem bei, dass man auch Dinge mal verändern muss, dass man auch Sachen braucht, die sich, sagen wir mal, der moderneren Zeit anpassen, sprich auch die Form mal zu verändern, andere Dinge

zu machen. Und wie bringt man es denen bei, dass man ja dann auch gleichzeitig quasi das Handwerk aus Lauscher mit moderneren, ja vielleicht auch den Kindern zuträglicheren oder einfacher zugänglicheren Dingen verbindet?

Taleka
Ich glaube, das ist an dem Punkt gar nicht zu sehr auf diese Veränderung zu drängen, sondern zu sagen, ihr habt eure Daseinsberechtigung, eure Handwerkskunst, euren geschichtlichen und traditionellen Hintergrund. Wir haben das Glück, dass wir mit Glasbläserfamilien zusammenarbeiten, die sich des Wandels durchaus bewusst sind und auch bereit sind, uns mal probieren zu lassen. Ich glaube, da ist bei uns die gute Mischung aus, wir haben unsere Fachexpertise im Sinne der Handwerker und wir haben aber dieses nicht vom Fach sein, also diesen über den Tellerrand hinausblickenden Charakter, So ein bisschen, wo man auch diese zwei Welten halt sieht. Also einmal der Großstädter gegen den kleinen Lauscherer und auf der anderen Seite auch dieses Online Business, das weltweite Agieren im Online Bereich und der Social Media und Marketingwelt und der Erfahrung allgemeinen Webprojekten gegenüber diesem klassischen traditionellen Handwerk. Und da geht es uns und das ist auch was, was wir sehr, sehr leben und auch immer wieder betonen es geht nicht darum, das eine zu verändern, um das andere nach vorne zu bringen, sondern beides miteinander zu verbinden und klassische Strukturen wie zum Beispiel die Vögelchen oder die ganz einfache Glaskugel. Es ist eine Glaskugel. So, und ob man die dann bemalt oder nicht bemalt und ob man sie rot färbt oder neonpink, das sind einfach Versuchspunkte, wo man sagt, wir haben den Luxus, in kleinen Auflagen Dinge ausprobieren zu können, ohne dass wir mit dem Finger auf die Produkte, die es schon seit eh und je gibt, zeigen und sagen nee, das ist ja alles alt. Also wir versuchen viel Tradition und Moderne miteinander zu verbinden.

Dennis – Da habe ich eine Geschichte zu. Taleka – Na dann.

Dennis
Auf meiner Tour durch Lauscha habe ich ja natürlich dann überall bei den einzelnen Glasbläsern auch so ein paar Musterstücke eingekauft, um dann zu sagen so wie baut man eventuell dann auch ein Sortiment auf und was macht man so an traditionellen Stücken, was macht man eventuell an moderneren Stücken. Und dann habe ich bei diesen Menschen, die ihr Handwerk wirklich verstehen, wunderschöne Ornamente

bekommen, die aber in ihrer Verpackung eigentlich untergegangen sind. Das war ein einfacher grauer Karton mit ein bisschen Papier drin. Hat man die dann reingesetzt und dann hat man mir die in die Hand gedrückt. Und da habe ich festgestellt ja, diese Handwerker, die ihr Handwerk super gut beherrschen, sind keine Verkäufer. Das ist aber das, was wir können. Wir können das ganze Handwerksthema auf die Bühne bringen, die dieses Handwerk eigentlich verdient und auch diese wundervollen Ornamente verdienen. Und deshalb haben wir ganz viel Zeit und Geld in die Entwicklung unserer Verpackung gesteckt, dass sie sowohl im Onlinehandel wie auch im stationären Handel gut funktioniert und dass auch alles drumrum um dieses Handwerk, diese entsprechende Wertschätzung für das Handwerk mitträgt. Das war uns ganz, ganz doll wichtig.

Markus
Das sind halt letztendlich irgendwo die Geschichten, find ich, die es manchmal einfach, ja die manchmal wert sind, einfach erzählt zu werden. Ja, ob das jetzt immer nur ihr erzählt oder ob wir dann ne mit den Gästen auch andere finden, die halt vielleicht auch Parallelen haben, wo man halt sagt, es gibt Berührungspunkte. Wir haben ja jetzt, da können wir jetzt ja auch schon mal drauf eingehen, was wir jetzt so ungefähr geplant haben für die nächsten Folgen. Das sind jetzt ja erstmal, dass wir so vom Inhaltlichen sehr nah in die Weihnachtszeit reingehen. Ja, weil es wird ein paar Aktionen geben, Aktionstage im Coburg, die man natürlich auch mit einem stationären Laden sehr gut verbinden kann. Ja, aber wir haben uns auch ab nächstem Jahr sozusagen auf die Fahne geschrieben, uns mal mit der Glaskunst an sich zu beschäftigen. Ja, wir haben es heute schon gesagt mit Unesco Welterbe, Lauscher Region und halt auch. Und ich glaube, das ist halt vielleicht auch was, was diesen Podcast dann irgendwann ausmachen kann, dass halt. Ja, es ist halt ein Medium, was im Moment krass konsumiert wird, auch von jüngeren, was vielleicht, wenn sie halt Geschichten wieder hören, die sie vielleicht auch ansprechen, dann halt auch einer Region wie Lauscha wieder gut tun kann, weil sie vielleicht dann auch einfach manche, manche jungen Menschen verstehen. Handwerk ist was, was sich lohnt. Ja man sagt nicht umsonst der Handwerker ist der Millionär von morgen

Dennis – Wohl wahr.

Taleka
Da sprichst du auch was an. Thema junge Menschen und Handwerk und Verein. Wir führen ja in Coburg jetzt unseren ersten Store und haben uns ja auch ganz bewusst für

ein Konzept entschieden, was gar nicht so neu ist. Weil dass man Handwerk zum Anfassen und Beobachten hat, hat eigentlich jahrelange Tradition. Sie ist nur aufgrund von großen Handelsketten und so weiter stark zurückgegangen. Also auch ich als gebürtige Berlinerin bin außerhalb von Berlin gute sechs Jahre zur Schule gegangen und ich konnte meinem Schuster durch ein großes Schaufenster zugucken, wie der halt die Schuhe repariert hat. Und das war ja auch eine Idee, warum wir in Coburg gesagt haben, wir machen die Schauwerkstatt, um halt den Menschen wieder das Handwerk näher zu bringen. Das Konzept, einfach in den Laden zu gehen und Ware zu kaufen, die ich auch online bekomme, ist natürlich so ein Punkt, wo wir gesagt haben, nee, das machen wir nicht. Wir setzen das Handwerk wieder in den Fokus. Wir haben eine kleine Schauwerkstatt eingerichtet, wo sowohl das Glasblasen als auch das Glasbemalen möglich ist und auch sehr, sehr viele Menschen begeistert. Ob es jetzt dann vor den Schaufenstern ist, nur zum Zugucken oder auch die Möglichkeit, selber mal eine Kugel aufzublasen, wo wir einfach auch gerade jungen Menschen wieder etwas nahe bringen, wo die teilweise auch gar nicht wissen, dass es das Mundgeblasen so eigentlich gibt, dass es halt nicht.Typisch ist, irgendwie in einen anderen Laden zu gehen und zu sagen: „Ach, da gibt es ja Weihnachtskugeln, die nehme ich mal mit, sondern auch zu sagen: „Hey, da sitzt wirklich einer vor einer Flamme und bläst den Kolben auf und dann wird der verziert und diese ganzen Schritte und diese Traditionen einfach mehr auch in den Fokus zu rücken.

Dennis
Das Thema Handwerk zum Anfassen, glaube ich, ist ganz, ganz doll wichtig in unserer jetzigen Zeit. Warum soll ich mir die Mühe machen, als Kunde überhaupt noch zum Einkaufen vor die Tür zu gehen? Und das war eigentlich auch eine der Hauptideen, diesen Laden zu machen, weil wir gesagt haben, der Kunde kommt nicht mehr nur zum Einkaufen, sondern vor allem auch, etwas zu erleben. Also haben wir gesagt, wir wollen dort folgendes miteinander kombinieren, nämlich einmal, dass unsere Kunden sehen, wie wird unsere Ware hergestellt, also dieses Thema anfassen? Warum rufen wir einen gewissen Preis auf, das Thema Wertigkeit und Wertschätzung für das Handwerk und dem Kunden, aber gleichzeitig auch was zu bieten als Erlebnis, dass man sagt: „Ich gehe gerne in die Stadt, weil ich etwas erleben kann. Und damit wollen wir auch der Stadt Coburg ein Stück weit was zurückgeben. Nach Corona hatte Coburg ja auch ein Stück weit mit Leerstand zu kämpfen, was ich jetzt, habe ich zumindest so das Gefühl, wieder bessert. Aber der Kunde kommt halt in die Stadt, was zu erleben. Und deswegen da haben wir gesagt: „Da schaffen wir die Synergie aus diesen drei großen Punkten und das ist, glaube ich, hier unsere Daseinsberechtigung.

Markus
Dass die Handwerkskunst wieder sichtbarer wird. Genau. Ich glaube auch, dass das vor allem für einen Laden, der eigentlich erst mal etwas sehr Saisonales hat, schon noch mal so ein gewisser Anziehungspunkt, dass die Leute wirklich verstehen, man kann dir das ganze Jahr sich was angucken.

Taleka
Da sprichst du einen ganz, ganz wertvollen Punkt auch an: Nur wenn man unser Produkt, ich sage mal, zur Haupt Jahreszeit ab dem vierten Quartal kaufen kann, heißt das ja nicht, dass wir auch erst im vierten Quartal anfangen einzukaufen und zu produzieren. Also unsere Glasbläser arbeiten das ganze Jahr durch. Das fängt bei unseren Planungen, zum Beispiel im Januar, Februar an. Was für neue Figuren nehmen wir auf? Welche Farbmuster haben wir eventuell, die wir mal ausprobieren wollen? Dann besprechen wir uns mit unseren Produzenten. Dann produzieren die unsere Ware. Wir sitzen teilweise – und nicht jeder Job hat – nur schöne Zeiten. Und dann ist es schon frustrierend, wenn andere im Freibad sind bei 30 Grad und man hier Weihnachtonomente einpackt. Ich meine, man macht das alles immer sehr gerne, aber manchmal sind dann schon so die Punkte, wo man denkt: „Super, so eine Kugel Eis wäre jetzt auch nicht schlecht, aber man muss dann das ganze Jahr. Man hat das ganze Jahr Weihnachten. Und so ist es auch bei unseren Glasbläsern. Natürlich machen wir auch weit mehr als nur Weihnachtskugeln, sondern es wird auch ein Oster-und Sommersortiment geben. Das Thema, was wir zum Beispiel machen mit den Granulatkugeln, die unten aufblasbar sind, ist ja etwas, wo wir ganz bewusst darauf setzen, dass es nicht unbedingt nur mit Weihnachten zu tun hat, sondern so eine Granulatkugel kann man ja auch durchaus das ganze Jahr ins Fenster hängen. Und weil du es auch vorhin angesprochen hast: Es birgt Faszination. Und dazu kann ich eine ganz süße Geschichte erzählen. Ich hatte eine Kindergartengruppe, die hier lang spaziert ist und vor dem Fenster stand und die Erzieherin so ein bisschen versucht hat zu erklären, aber auch nicht wusste, was so genau da ist. Und dann habe ich mitgekriegt und bin raus und habe sie in den Laden geholt und habe denen das alles erklärt, was wir hier machen, warum wir es so machen. Und am Samstag kam auf einmal ein kleines Kind mit seiner Mama in den Laden und meinte: „Mama, schau mal und da steht eine Feuerwehr und guck mal, du liebst doch Erdmännchen. Da auch gerade den Kleinen die Besonderheit an die Hand zu legen und zu sagen: „Guck mal hier, so wird das gemacht und dann hast du am Ende ein fertiges Produkt, fasziniert, glaube ich, alt wie jung. Und wenn ich dann an eine ältere Dame denke, die zur Eröffnung hier in den Laden kam und sagte: „Ach na ja, als kleines Mädchen hat sie ja mal mit fünf, sechs muss sie gewesen sein, in Lausche auch eine Kugel aufgeblasen. Und das findet sie so schön, weil das bei ihr wieder Erinnerungen wachruft. Und dann

hier so stand und so herumgedruckst hat und ich dann gesagt habe: „Na ja, wollen Sie denn selber auch Und sie gleich: „Nein, nein, ich bin 84. Ach, das brauche ich nicht. Ich sage: „Aber es sieht doch so aus. Probieren Sie es doch. Und die dann wirklich mit Tränen in den Augen dagestanden ist und gesagt hat, dieses noch mal erleben zu dürfen, geht einfach so über Grenzen hinaus.

Sei es jetzt, dass man hochfährt nach Lauscha oder dass man ein bestimmtes Alter hat. Ich glaube, diese Faszination für dieses Handwerk ist einfach, das zum Anfassen zu holen und auch so ein bisschen die Barrieren zu brechen und zu sagen, wir versuchen vieles einfach auch wieder sichtbar zu machen, ist, glaube ich, ein schöner Anreiz und gerade auch eine Lage am Markt eins a zur Weihnachtsmarktzeit in der Spitalgasse, wo man viele Menschen im Vorbeigehen sieht, die man dann für regionale Kunst begeistern kann, ist, glaube ich, sehr viel wert

Markus
Und wer die Glasbläserin mal in Action sehen will, sollte definitiv immer samstags in der Stadt sein.

Taleka
Samstags von 10 bis 18 Uhr haben wir unsere liebe Anja da, die live in Action sowohl mit euch Kugeln aufbläst, als auch kleine Figürchen zaubert.

Markus
Und wen haben wir in Episode Zwei da?

Taleka
In Episode zwei haben wir das große Glück-Markus Zimmer, glaube ich, ne? Genau, unseren Nachbarn, unserem Nachbarn direkt am Markt als Gast begrüßen zu dürfen.

Dennis
Genau, Markus Zimmer aus dem Goldenen Kreuz wird unser erster nachbarschaftlicher Gast.

Markus
Und ich habe gehört, wir lernen endlich was über das Geheimnis des Rutschers.

Dennis – Richtig.
Markus – Das Kochhandwerk von Coburg.

Das war Episode Eins von Glasklar. In der nächsten Folge sprechen wir mit Markus Zimmer vom Goldenen Kreuz, Coburgs ältesten Gasthaus. Es geht um die fränkische Küche, das Geheimnis der Coburger Rutscher und warum Handwerk auch in der Gastronomie zählt.

Bis bald.

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